Böser Mönch am Hackeschen Markt!

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Samstag geht man ja gern mal ein wenig shoppen, doch wenn ihr heute vorhabt, in Berlin Mitte umherzustreifen, müssen wir euch warnen: Ein Bad Monk treibt in der Gegend um den Hackeschen Markt sein Unwesen! Er trägt die Kutte eines buddhistischen Gottesmannes, einen weißen Schlapphut und sammelt Geld für seinen Tempel – letzteres gibt er jedenfalls vor. Zur allgemeinen Belustigung und als Warnung möchte ich meine Erfahrung mit dem Bettelmönch von Berlin Mitte mit Euch teilen:

Letztens gönne ich mir nach der Arbeit noch einen kleinen Abstecher zum Hackeschen Markt, da kommt mir in der Rosenthalerstr. dieser Mann in einer orange-bräunlichen Mönchskluft entgegen, wie ich sie auf meinen Asienreisen schon tausendfach sehen konnte. Er hat, wie es Mönchen oft eigen ist, einen freundlichen Gesichtsausdruck, trägt einen Hut und allerhand Klimbim bei sich. Er bleibt also stehen und hält mir ein kleines Kärtchen hin auf dem geschrieben steht „Vergesse neben all Deinen Pflichten nicht, zu leben.“ Das spricht eine Hauptstädterin wie mich natürlich an, all der Stress in Beruf und Alltag und plötzlich steht da wie aus Thailand hergebeamt ein Mönch, der mich daran erinnern will, dass ich auch noch leben muss. Super! Ich freue mich und lächle ihn liebevoll  an. Er kramt eine kleines Armband aus Holzkügelchen aus seiner Tasche (30 Baht in Thailand) und streift es mir blitzschnell ums Handgelenk. Wie nett. Dann fragt er mich nach einer kleinen Spende für seinen Tempel. Treu-doof krame ich in meiner Kleingeldtasche, frage weder nach dem Ort des Tempels und wie er hier nach Berlin Mitte gelangt ist, denn schließlich habe ich eben noch Erleuchtung und ein Armband aus Holzkügelchen geschenkt bekommen (und zuviel fragen könnte ja schlechtes Karma bringen).

Spende für den falschen Mönch

Ich habe nur drei Euro parat, das finde ich aber relativ ok. Ich gebe öfter mal etwas, dann aber 50 Cent oder einen Euro je nach Verzweiflungsgrad der fragenden Person und abhängig vom Kleingeldbestand in meiner Tasche. Der Mönch nimmt das Geld und hält mir dann ein kleines Büchlein hin, in das ich meinen vollen Namen und den Betrag meiner Spende eintragen soll. Aha, superoffiziell das Ganze. Während ich schreibe, bleibt mein Blick an den Einträgen meiner Vorgänger hängen: 30 Euro lese ich hier und Peter Klaubich aus Prenzlauer Berg hat sogar 40 Euro gespendet und huch, Anna Trauthal, wohnhaft in Wedding, ganze 60 Euro, hm. Ich komme mir ein wenig schäbig vor mit meinen 3 Euro, aber mehr bin ich irgendwie auch nicht bereit zu geben, denn weder kenne ich den Tempel noch, ach keine Ahnung, drei Euro sind doch ganz passabel, oder?

Der Mönch realisiert also, dass es bei den drei Euro bleiben wird. Plötzlich verändert sich seine Miene und das nicht zum Guten. Er blafft mich an: „That’s all? You don’t have more?“ Ich, leicht geschockt von der 180-Grad-Drehung seines Mimenspiels stammele: „Äh, no, you know, right at the moment, well, I think, like, here on the street to get 3 Euro really is okay, you know.“ Schneller als ich gucken kann reisst mit der Monk das Armbändchen mit dem Holzkügelchen vom Handgelenk und fängt an, mich zu beschimpfen und, ob ihr es glaubt oder nicht, nach mir zu spucken und zu treten. Ich versuche also ihn zu beruhigen und erkläre ihm, dass ich einfach nicht mehr dabei habe und das Armband schließlich auch gar nicht kaufen wollte. Der Mönch flippt aus und klingt plötzlich gar nicht mehr nach dem lieben Bettelmönch von vorhin sondern erinnert mich stark an diesen Rikschafahrer in Kambodscha, dem ich für seine zehnminütige Fahrt nicht 70 Dollar bezahlen wollte und der daraufhin sehr obzön wurde.

Da ist er, der Berliner Bettelmönch

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Hab mich nicht getraut, ihn von vorn zu fotografieren

Ich bin geschockt und gehe weg, nicht jedoch ohne dem Mönch zuzurufen, dass er ein Bad Monk sei und im Buddhismus schließlich auch kleine Gesten zählen usw. Er droht mir mit der erhobenen Hand. Nun will ich mich nicht mit einem Mann in buddhistischer Mönchskluft auch nicht weiter streiten, das würde unvorteilhaft für mich aussehen. Daher brause ich enttäuscht und wütend davon.

Abzockermönch vom Herrn

Ihr ahnt es schon: der Mönch ist kein echter Mönch sondern ein Abzocker. Mein Verdacht bestätigt sich, nachdem mir zwei Bekannte, die in der Gegend arbeiten, vom einem ähnlichen Elerbnis berichtet haben. Wieder ist er rabiat und bösartig, weil keine Scheine rüberwachsen. Was soll ich sagen: Der falsche Mönch treibt immer noch sein Unwesen, jeden Tag hausiert er zwischen Weinmeisterstr, Rosenthaler Str und Münzstr., auf der Suche nach neuen Opfern. Wann immer er mich sieht, fängt er wieder an zu drohen und zu schimpfen. Also liebe Kinder: Hütet Euch vor dem Mönch am Hackeschen Markt!

Update: Der Vorfall ereignete sich vor ca 4 Wochen. Während ich schreibe, lese ich in der B.Z. über die Bettelmönche am Alexanderplatz. Jetzt sind aber wirklich alle gewarnt.

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