Die neue Individualität

NikeVintageFashionStyle

Viele von uns streben danach, ein wenig anders zu sein, sich von der breiten Masse abzugrenzen. Dieses selbst gewählte Lebensmodel kann sich durch die Jobwahl ausdrücken, Visionen und Einstellung und besonders oft durch das äußere Erscheinungsbild. Letzteres vermittelt unserem Gegenüber direkt was Sache ist, hier werden Statements gesetzt. Die letzten Jahre ist dies besonders durch Vintage-Mode praktiziert worden. Gekonnt wurden hier Einzelstücke zu Massenware kombiniert und somit ein scheinbar eigener Look kreiert. Scheinbar.

Birkenstocks und Kenzo Sweater

Doch im Gegensatz zum jetzigen Straßenbild*( ) gab es wenigstens hier und da kleine Überraschungen und Kreativität zu sehen. Heute fühle ich mich zurück versetzt in meine Jugend. Wer cool sein und dazu gehören wollte trug die favorisierten Labels plakativ auf der Brust vor sich her. Nike, Fila, Caterpillar, DC, Vans…….. ebneten uns den Weg in eine glückliche, auf dem Schulhof mit den coolen Kids rauchende – Jugend, von Jungs gemocht. Danke 90er, danke Marken-Wahn!

15 Jahren später, das gleiche Phänomen. Diesmal in Form von Tiger-Köpfen auf der Brust, Maria Black-Ringen an den Fingern, Trio-Bags auf den Schultern und Birkenstocks an den Füßen. Ein Mode-Diktat ohne Platz für Individualität. Klone ziehen durch die Straße, mit Statussymbolen behangen, im Glauben, etwas ganz besonderes und anders zu sein. Es scheint als hätte die Celiné-Sonnenbrille einen Schleier über die Augen gezogen und die Wirklichkeit verblassen lassen, denn leider SEHT IHR ALLE GLEICH AUS!

KenzoParis

Wieso ist es erstrebenswert sich für viele Hundert von Euros einen Look zu finanzieren, den es schon zuhauf um uns herum zu sehen gibt? Sind wir nicht gerade jetzt in einem Alter angekommen, in dem wir uns über unsere Persönlichkeit definieren können? Vorbei mit der Jugendlichen-Unsicherheit, nicht Fisch nicht Fleisch, verstecken hinter Labels. Wir kennen uns selber endlich so gut, um zu wissen, wie wir unsere guten Eigenschaften hervorheben und die schlechten verstecken. Auch bei der Kleiderwahl. Wir wissen was uns steht und wovon wir besser die Hände lassen. Also warum dieses Wissen nicht nutzen, anstatt auf sogenannte „Blogger-Pieces“ zugreifen, die schon morgen von vorgestern sind?

Doch am schlimmsten ist die damit zusammenhängende Attitude. Scheinbar schützen Chanel-Espadrilles nicht nur die Füße, sondern schenken einem den Glauben, besonders individuell zu sein. Man hebt sich von den normalen 8-Euro-Espandrillos-Trägern ab, ganz klar!

Ja, wir kommen in ein Alter, wo wir langsam lernen, dass sich Qualität statt Quantität auszahlt. Mal zwei, drei Teile hängen lassen und dafür in die Zukunft investieren. Aber trotzdem sollte man sich nicht schämen müssen, wenn ab und zu bei dem allseits geliebten aber ach so verpönten großen Ketten einkauft.

Und woher kommt neuerdings dieses extreme Verlangen, seinen Menschen unter die Nase reiben zu wollen, dass man alles liebt was mit Ästhetik zu tun hat. Mochten wir nicht schon immer schöne Dinge? Jetzt ist es ästhetisch wenn man ganz besondere Speisen bevorzugt, organische überteuerte Beauty-Produkte benutzt und handgeknüpfte Unterwäsche aus einer italienischen Manufaktur trägt.

Essen, Kleidung, Wohnen, eine Selbstverständlichkeit, die man in vielen anderen Ländern schon immer auf einen hohen Niveau auslebte, ohne darüber zu reden oder Fotos bei Instagram oder Pinterest zu posten. Können wir uns nicht alle einfach ein bisschen entspannen, uns nicht ständig beweisen oder vergleichen? Schließlich geht es doch um den Genuss und wie kann man etwas genießen, wenn man ständig darüber reden muss und es mehr für andere als für sich selber tut?

* ( ) ich beziehe mich bei meinen Beobachtungen auf Berlin und einen Dunstkreis, der sehr wahrscheinlich etwas eingeschränkt und oberflächig ist, dennoch für den Großteil unserer Zeit und Generation steht.

ChanelEspadrilles

One Comments

  1. Marlene sagt:

    Ich mag es verschiedene Stile zu kombinieren. Birkenstock und ein kleines Schwarzes 🙂 oder diese goldenen Stiefel (Ash – mondialmode). Ich trage auch sehr gerne ein etwas zu großes Sakko zu meinen unterschiedlichen Outfits!
    Wenn man seine Kleidung selbstbewusst trägt und sich wohl fühlt, passt das so!
    Lg Marlene

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