Dockville Festival – Klassenfahrt

Das Dockville ist vorbei. Die Nase pellt sich, die Füße sind dreckig, die Schultern schmerzen und in den Ohren piept es. Es war ein wildes

Wochenende voller Beinahe-Exzesse.

Wetter: super. Körper: Verbrannt. Musik: soll auch gut gewesen sein. Zelten: Horror. Das Dockville lockte mit Top Acts wie Maximo Park, Hot Chip, Metronomy, Tocotronic, James Blake – alles nicht gesehen. Wer hier also ausführliche Berichte über die Liveauftritte seine Lieblingsband erwartet, kann gleich mal wieder abhauen. Wir haben tatsächlich fast keine der großen Bands gesehen. Zwei Lieder von Hot Chip mitbekommen, etwas geschunkelt, allerdings war es mega voll und der Wind stand ungünstig, so dass wir einfach mal nichts gehört haben. Bei James Blake waren wir auch kurz, jedoch frage ich mich echt, wer dieser Schlafmütze jemals erlaubt hat, live zu spielen. Aber trotzdem hatten wir unseren Spaß. Sollte man immer so machen: Auf ein Festival mit großem Line-up gehen und sich nur die kleineren Bands ansehen. Und natürlich im Backstage abhängen und sich volllaufen lassen. Seien wir ehrlich, Festivals sind ohne Backstagebändchen unerträglich.
Und überhaupt ist mir früher nie aufgefallen, wie mühsam so ein Festival ist. Es ist dreckig, überall sind Menschen, man hetzt von Konzert zu Konzert, nur um dann festzustellen, dass man eigentlich gerade ne viel coolere Band verpasst. Man sucht seine betrunkenen Freunde. Wahrscheinlich werde ich einfach langsam zu alt für den Quatsch. Ich fühlte mich oft sehr alt auf dem Dockville. Das Publikum war durchschnittlich 12 Jahre alt und besoffen. Und laut. Und peinlich. Man fragt sich unwillkürlich: war ich auch so? Neeeeeeeeee.
Oh doch, oh ja, und ob. Ich war auch so.

Ach ja und die Deko war auch super. Fast ein bisschen so wie Fusion. Nur mit Einlassschleusen und mit mehr Pferdemädchen. Von den so genannten Hipstern kann ich allerdings nichts entdecken. Aber vielleicht wird das auch noch. Sind ja alle noch ganz klein. Und da das jetzt zum Ende der Festivalsaison total viel Sinn macht, jetzt die ultimativen Festivaltipps für euch.

Eisern Union Pulli, damit die Hamburger direkt mal wissen, wo es lang geht

Braucht man dringend:
Kinderleine um betrunkene Freunde nicht zu verlieren. Denn mit der Suche kann man schon mal ein paar Stunden beschäftigt sein.

Telefon bringt da ja auch nicht so viel, da alle nur diese beschissenen IPhones mit einer Akkulaufzeit von 5 Sekunden haben. Auf einem Festival wird man also wieder in die 90er zurückkatapultiert. Zwischenzeitlich war alles so leicht, als Handys noch Tasten hatten und man mit halb vollem Akku losgefahren ist und sich nur so dachte: „Ditt reicht locker….“.
Unbedingt sollte man auch eine Fliegenklatsche, Rohrstock oder einen anderen beliebigen Gegenstand mitnehmen um herumlungernde Teenagerhorden auseinander zu treiben oder nachts für Ruhe zu sorgen, wenn die Horden nebenan schlechte Musik hören und Trinkspiele spielen.
Kümmert euch rechtzeitig um ein Hotelzimmer, schlaft bei Freunden oder mit einem Musiker. Egal, nur weg vom Gelände, wenn ihr müde werdet. Wenn schon Zelt, dann bitte solche, die man einfach nur in die Luft schmeißt und die erledigen den Rest von allein. Praktisch. VIP Bändchen sind ein Muss. Ohne die geht gar nichts, echt nicht.

Braucht man nicht:
Sonnencreme, denn wie bei allem gilt auch hier: wenn es nicht weh tut, war es nicht gut. Etwas zu Futtern kann man sich auch im Dorf besorgen oder auf dem Gelände. Eine Brezel, für die man 5 Euro hinblättert schmeckt nämlich doppelt so gut. Nicht. Wenn ihr alles richtig gemacht habt und das richtige Bändchen an eurem Arm baumelt, dann bekommt ihr eh Catering und alles.
Man braucht auch nicht unbedingt wahnsinnig viele Klamotten dort, denn nach dem zweiten Tag sehen eh alle beschissen, verbrannt, dreckig und verpeilt aus. Packt euch was Warmes für die Nacht ein, was Luftiges für den Tag, Wechselschlüppis und Socken, fertig.

Muss man machen:
Vor dem Zelt in der Morgendämmerung knutschen. Und dann schlafen gehen. Wie früher. Weckt Erinnerungen an die eigene Teeniezeit und tut einfach nur gut.
Alle Hauptacts verpassen und stattdessen neue Bands für sich entdecken. Mitten in der Nacht auf dem Dancefloor der Freundin um den Hals fallen und ein bisschen kindisch rumflennen. Den Geist frei machen. In der Sonne liegen. Fettiges, überteuertes Essen essen.
Na ja OK, und vielleicht doch Sonnencreme benutzen.

 

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