Einmal in den Himmel und zurück

Das Watch The Throne – Konzert in Frankfurt „Man ey, warum spielen Jigga und Yeezy nicht in Berlin, richtige Opfers! Was wollen die denn in Frankfurt?“. Meine erste Reaktion auf die Watch the Throne Tour-Dates für Europa war eine ernüchterte. Im Nachhinein tat ich gut daran nicht in meiner Berliner Arroganz zu versacken, sondern einfach zu machen. Klick, Zack, Karte gekauft, who is wit me? Freunde schnappten sich einen Miet – Twingo, ich nahm den ICE (kein Problem für mich, was kostet die Welt). 6 Stunden später traf man sich dann ca. 3,5 Stunden vor dem eigentlichen Konzertbeginn an der Frankfurter Festhalle, um sich später mit den anderen 10.000 um die Plätze in den ersten Reihen zu quetschen und schlagen zu dürfen. Wenn schon beim Jay-Z Konzert dann auch bitte ganz vorne.

Da jeder zweite ein That Shit Cray oder What’s Gucci my Nigga Shirt trug, war mir klar, dass die Hälfte der Crowd  H to the Izzo wohl eher weniger mitrappen , dafür aber super coole Dancemoves zu  N***gas in Paris und Run this town aus dem Gucci Bandana schütteln konnten. Kurz gesagt, viele waren anscheinend tatsächlich für Kanye da.

Nach, gefühlten 3 Stunden und fünf geplatzten Blasen später ging das Licht aus und mein Pulsschlag wieder an. Es muss auch eine hochfrequente Durchsage gegeben haben, die meine Berghain – geschädigten Gehörgänge nicht mehr wahrnehmen konnten. Der Inhalt sollte in etwa dieser gewesen sein: „Und jetzt holt bitte JEDER sein iPhone aus des Tasche und filmt das ganze Konzert, damit ihr dann die komplett unbrauchbaren, verwackelten und verrauschten Videos euren Opfer-Freunden zeigen könnt „. Anders kann und will ich mir diese Handy Choreographien nicht erklären. Fuck you, seriously!

Mit dem ersten Ton floss auch schon der erste Schweiß und mit dem Anblick von Jigga und Kanye, die auf riesigen LED Würfeln über der Masse rappten, auch der erste Lustropfen. Dass ich dann spätestens bei Jigga What, Jigga Who das erste Mal ejakulierte, war unabdingbar.

(Bild von @ohyeasara)

Mal im Ernst, wann habt ihr mal ein Konzert mit so einer Setlist besucht?

1.H•A•M  /2. Who Gon Stop Me /3.Otis / 4.Welcome to the Jungle /5.Gotta Have It / 6. Where I’m from /7. Jigga What, Jigga Who / 8. Can’t tell me Nothing / 9. All Falls Down / 10. Flashing Lights /11. Jesus Walks / 12. Diamonds from Sierra Leone Remix / 14. Public Service Announcement /15.U don’t know / 16.Run This Town / 17. Monster / 18. Power / 19.Power /20. New Day / 21. Hard Knock Life / 22. Izzo / 23. Empire State of Mind /24.Runaway /25.Heartless /26.Stronger /27.On to The next one / 28. Dirt Off Your Shoulder / 29. I Just wanna love you / 30. That’s my Bitch /  31. Good Life / 32.Touch the Sky / 33. Big Pimpin / 34. Gold Digger  / 35. 99 Problems / 36. No Church in the Wild / 37.Lift Off / 38. Encore / 39. Niggas in Paris (5 Mal)

Da standen zwei Weltstars auf der Bühne, die seit mehr als 25 Jahren Musik machen. 100 prozentige Profis. Da gab es keine „Ach, dieses Lied klingt ja live besser als auf CD“ – Momente. Jeder Track ein Hit, jedes mal überkam mich erneut ein Glücksgefühl – immer getanzt, immer mitgerappt. Nach Dirt of your shoulder war dann auch mein Sweater durchgeschwitzt. War aber egal und nicht unangenehm, denn meinen Berliner Mitstreitern ging es nicht anders. So schwamm und sprang man dann in völliger Glückseeligkeit und totaler Erschöpfung in einem Pool aus Schweiß und Liebe. Selbst wenn der Körper oder eines dieser 18 Jähren Kinder aus Glas neben uns den mahnenden Finger hob wurde weitergemacht. Selbst der Circle of Death ganz zum Schluss wurde ohne  Kraft, aber mit eisernem Willen angepeilt.

Nach einem kurzen Clinch mit einer dieser 18 Jährigen, die glauben Circle of Death ist nen Ding zum Kreisemalen, war das Konzert dann wirklich vorbei. Einmal „Niggas in Paris“ mehr hätte auch nur Optimus Prime oder einer dieser Paris – Vorstadt – Hoodboys geschafft.  Wir aber nicht !

Der Adrenalin-Level senkte sich und uns wurde klar, dass wir, so nass wie wir waren, den Heimweg nach Kreuzberg und Neukölln nicht infektfrei überlebt hätten. Also ab an den Merch Stand. Wohlig warm eingehüllt in 40Euro Kanye West Shirts  fuhren wir dann in ICE und Auto zurück in die Heimat. Ich war um insgesamt 300 Euro ärmer, aber der eine Haken auf der Lebenscheckliste ist unbezahlbar.

Übrigens: Für alle die nicht dabei sein konnte hat eine dieser Kamera – Pfeifen 60Min des Konzertes mitgefilmt.

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2 Comments

  1. anna sagt:

    yeah cooler bericht!

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