Frittenbude – Trend verpennt

Es gibt Trends, denen kann man sich nicht entziehen. Weil sie gut sind. Meine Anti-Haltung gegenueber allem, das irgendwie nach Trend riecht, hat mich eine große Zeit meines Lebens gute Dinge verpassen lassen. In der Schule war ich ein Art umgekehrter Anti-Trendsetter, jeden Trend zuerst gerochen, aber alles versteckt, damit ich den Trend sozusagen fuer mich allein verbuchen kann. Ich habe mich furchtbar darüber aufgeregt, wenn die blassen Dinger in meiner Klasse mir meine Klamotten nachkauften und dann auch noch meine Musik hörten. Massive Hate. Phase der Individualisierung in Pubertät. Je mehr ich versuchte, meine Trends geheim zu halten, kopierten sie mich aber. Zum Haare raufen war das. Paranoid  machte mich freiwillig zum Außenseiter, trug erst nur noch abgeschnittene Armee-Hosen über Leggings und Männer-Pullover, das trauten sie sich nicht. Später wechselte ich zu Techno, meine Farbexperimente, machte auch keiner mit. Strike. Später dann wieder Indie. Man hörte geschlossen dieses ganze Muse und Pulp Zeug, dafür war ich zu cool. Ich hörte also stumpfmöglichsten HipHop und Hardcore sowie Gabba. Das ging auch später munter weiter. Oh Gott, alle stehen auf Minimal, das Berghain war schon als Ostgut binnen gefühlter Minuten für mich gestorben als die Feiermeute den Hype ausrief.  Bar 25 sowieso, brauch ich nicht viel sagen.

Anderes Beispiel: dieses Deutsch-Indie-ElektroGeschichte. Vollstens am Popo vorbei, bis ich zufällig doch einmal Fotos gehört habe. Was war DAS denn? Jungs, noch grün hinter den Ohren, deutscher (oh Gott) Gesang. Aber zu spät das Ganze, es gefiel mir. Ich hörte es einen Sommer lang oder auch zwei und rannte zu den Konzerten. Mit den ganzen 20jährigen. Egal, man sah es mir nicht an und wenn wer fragte, ich war immer 22. Später kamen I Heart Sharks, die zumindest hier in Berlin so gehyped wurden, dass ich mich völlig abschottete. Hinz, Kunz, Dick und Doof und alle Indie-Kids rannten hin. Für so einen Quatsch bin ich zu cool, zu alt, zu geil. Neo-Pop-Kram, Kiddie-Scheiß und wer trägt überhaupt noch enge Jeans, die Einwände.

Das ging so weit, dass ich ganze Hit Alben erst ein oder zwei Jahre später anhörte, weil sie da nicht mehr „in“ waren. Ist heut noch so. M.I.A. höre ich deshalb gar nicht, vor Lana habe ich mich lange erfolgreich verstecken können. Als Ultra-Adele-Fan vor allem. Der Einwand der Peinlichkeit gilt bei Adele nicht. Ich habe sie nämlich schon ganz früh gehört. Die Regel lautet folgendermaßen: Entdeckst Du etwas früh, ist es egal, wie peinlich es ist, Hauptsache es wird nicht trendy. Denn dann ist es vorbei.

I Heart Sharks habe ich irgendwann mal live gesehen. Ob es am Bier lag, ich fands echt gut. Ähnlich, aber anders:  Frittenbude. Der Name an sich schon peinlich genug, aaah, meine Berliner Coolness, von Geburt an gepflegt, geht mir da flöten. Kann aber nicht anders. Ich liebe sie, die Texte, die Melodien. Ich liebe diesen albernen Sound aus Elektro-Indie und Poppunk und Neo-ach-ich-weiß-auch-nicht-Musik. Spiegelt genau meine derzeitige Stimmung wieder. Perfecto. Zeiten ändern dich.

I Heart Sharks spielen heute im Bii Nuu und Frittenbude haben ein neues Video rausgebracht. Voll geil.

Video von Aron Krause. Geschichte von Strizie und Artur Schock, entsstanden auf einer Parkbank an einem sonnigen Tag im Görli. Wings ist die erste Single zu ihrem am 11.05. auf Audiolith erscheinenden dritten Album Delfinarium.

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