Game of Thrones – Meine Sucht

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Ich habe mich entschlossen, über meine Sucht zu schreiben. Eine Sucht, die mich zwar ärgert, einen großen Teil meiner Zeit verschlingt und mir manchmal sogar körperliche Schmerzen bereitet, die mich aber ganz und gar verschlingt. Ein Ende ist zwar abzusehen, aus dem einfachen Grunde, das es nur einen begrenzten Vorrat meines Suchtmittels gibt und möglicherweise keinen Nachschub. Ich werde den Vorrat schätzungsweise Ende des Jahres aufgebraucht haben. Die erste Hälfte habe ich verbraucht und derzeit keine Möglichkeit, vorzeitig an die zweite zu gelangen. Ich schlafe schlecht, bin tagsüber schrecklich gelangweilt und weiß nichts mit mir anzufangen. Nichts macht mir mehr Spaß, Musik, Sport oder Bettsport, nichts kann die Leere in mir füllen und ich warte eigentlich nur noch darauf, an die andere Hälfte meines Vorrats zu gelangen. Dies wird jedoch nicht vor nächster Woche möglich sein.

Was das für ein Teufelszeug sein soll, das ich mir da zuführe? Es ist Game of Thrones in Reinform, nämlich alle zehn Bücher!

Game of Thrones – Die Zehn Bücher

Ich habe das jetzt ganze viermal durch, habe eben das Vierte Buch von Game of Thrones ausgelesen. Mein Kopf schwirrt, ich murmele die Namen der Hauptdarsteller und Nebencharaktere wie Sandor Clegane, der Bluthund, Jalabhar Xho oder Maester Luwin, die ich erst am Ende des Buches richtig einordnen konnte (weil ich die Namenslegende gelesen habe, die nicht ohne Grund das gesamte letzte Kapitel des Buches einnimmt und das IN JEDEM TEIL und es werden immer mehr).

Cersei Lennister, die schöne Königin, die an Intrigensucht und Boshaftigkeit nicht zu überbieten ist, Tyrion Lennister, ihr Buder der Zwerg, Genie, aber verkannt und ungeliebt, eigentlich ein geiler Typ, Shae seine Hure, die in der Serie von der Gegen die Wand-Darstellerin gespielt wird, ihr wisst schon, die mit den Pornos, eine Deutsche in dieser hochkarätigen Produktion – wie hat sie das gemacht? Die junge Daenerys Targaryen, die ihre Liebe bei den Wilden findet und wieder verliert, aber wenigstens die Drachen bekommt, um sich an allen zu rächen, die ihr unrecht getan haben, der böse Kindkönig Joffrey, den unbedingt mal jemand töten muss, da abzusehen ist, dass er mal ein ganz sadistisches Schwein werden wird, eine Plage für die Menschen, der schicke Jamie Lennister, der es mit seiner Zwillingsschwester treibt, die wilde Arya Stark, die sich als Kind durchschlagen muss und die Wölfe. Ja ohne die Wölfe wäre die ganze Nummer ohnehin langweilig, erst die Wölfe und natürlich die Drachen geben dem Game of Thrones die Legitimation, die Sucht des Jahres geworden zu sein.

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Game of Thrones – Unterschiede DVD und Buch

Diese Sucht nach den Drachen, nach Daenerys, Thyrion und Cersei befällt auch DVD-Gucker, habe ich mir sagen lassen, die Folgen zu schauen sei ähnlich gefährlich wie die Bücher zu lesen, weil natürlich der Kick schneller und viel intensiver kommt. Aber die Medaille hat immer zwei Seiten nicht war? Der Vorrat verbraucht sich hier noch viel schneller als bei den Büchern, oh traurige Gestalten, die ihr nun auf die nächste Staffel warten müsst und barmt, ich fühle mit euch, haltet durch. Die Serie unterscheidet sich insofern von den Büchern als dass den heißen Geschichten, die im Buch nur angekratzt werden bzw. gar nicht erst vorkommen, natürlich viel mehr Zeit geschenkt wird und sie so dargestellt werden, als seien sie der Mittelpunkt der Geschichte.

Ich vermute, nach dem Erfolg der versexten Spartacus-Gods of the Arena – Staffeln wollte man nicht hinterher stehen und gab somit der Hurennummer um Tyrion und der pikanten Scheinehe des schwulen Renly, die im Buch gar nicht vorkommt, mehr Bedeutung als nötig. Auch Daenerys spielt in den Anfangsbüchern nur eine untergeordnete Rolle, es sind die Stark – Kinder, die alles dominiern. In den Büchern hingegen geht es nicht so spektakulär zu, zwar treibt es Cersei auch hier mit ihrem Bruder, doch quält man sich stellenweise mit Beschreibungen der Winterlandschaft oder jeweiligen Festung bis mal wieder etwas interessantes geschieht. Auch die Schattenwölfe der Starck-Kinder kommen in der DVD irgendwie gar nicht vor, sind sie doch ein wichtiger Bestandteil der Bücher. Und doch kann man nicht mehr davon lassen und falls jemand gerade mit den Büchern beginnt: es wird immer besser, schon das Zweite Buch ist spannender als Teil 1 und das Dritte liest sich locker von der Hand, bis es im Vierten endlich richtig blutig und fies wird. Alles gipfelt dann in Teil 8, 9, 10, meinem Reisepartner zufolge die besten Teile überhaupt, er hat zwar absolutes Erzählverbot, ich kann mir aber schon denken warum, die kleinen Mistdrachen von Daenerys werden wohl endlich flügge sein.

 

Game of Thrones – Der Beginn der Sucht

Bei mir begann alles ganz harmlos im letzten Jahr im Thailand-Urlaub. Mein Reisepartner hatte seinen bescheidenen Büchervorrat aufgebraucht und musste auf die von Travellern zurückgelassenen Exemplare zurückgreifen. Im Gegenzug lässt man selbst ein gelesenes Buch da, bei den Travellern ist die Welt nämlich noch in Ordnung. Zu Hause würde man sich ja drei Stück einstecken, ohne etwas dazulassen und sich noch diebisch über den Zugewinn freuen. Nun, hier ist das nicht so, hier ticken die Uhren anders und ich bin froh darüber. Mein Reisepartner sucht sich also unter Büchern mit Titeln wie „Wie finde ich mein inneres Ich“ oder „Erleuchtung mithilfe des dritten Auges“ einen Fantasywälzer oder Mittelalterroman aus, ich bin mir da nach lesen des Kurzinhalts nicht so sicher, jedenfalls ist es reich an Seiten, das Teil. Von da an finde ich ihn nur noch lesend vor, beim Frühstück, danach, am Strand und vor dem Schlafen gehen. Ich selbst war immer eine große Leseratte und hätte auch den Vorlesewettbewerb der Schulen gewonnen, wenn nicht diese Mistgurke Freya aus der Nachbarklasse eine Tränendrüsen-voll-sozial-wegen-Integration-und-so Story vorgelesen (mit dem altdeutschen Kacknamen war das eh voll gelogen) und damit die Jury praktisch gezwungen hätte, dieser hahnebüchenden Sozialkrampfnummer meiner Vampirgeschichte den Vorzug zu geben.

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Jedenfalls entwickelte sich mein Reisepartner während dieses Urlaubes zu einer Leseratte die ich so nie gewesen bin und man ahnt schon was für eine Leseratte ich gewesen sein muss, weil ich den oben beschriebenen, verlorenen Lesewettbewerb immer noch nicht verwunden habe. Schließlich klapperte er noch vor Ende des Ersten Buches sämtliche Hostels ab, um zu schauen, ob nicht jemand auch den Zweiten Teil dieses „Epos“ dagelassen hätte. Ich machte mich natürlich anständig lustig, „dümmliche Fantasysaga“ und „Mittelalterroman“, meinte ich naserümpfend, während ich doch so tolle Sachen wie „Der Buddhismus“und dergleichen las und nicht so einen Humbug von Drachen und so Kram.

Bis zum nächsten Urlaub, als bis sich auch mein Buchvorrat dem Ende neigte, blieb ich überheblich, und siehe da, aus der Not begann auch ich gelangweilt und widerwillig mit Teil 1 von Game Of Thrones, doch nur, weil ich mittlerweile schon drei bis vier Folgen der ersten Staffel im Fernsehen gesehen hatte.

Das Ende von Game of Thrones

Ich gebe zu, durch den ersten Teil muss man sich ganz schön kämpfen, dieser Ed Stark ist wirklich kein Sympathiefänger, obwohl ich sehr traurig gewesen bin als er so fies ermordet worden ist. Tyrion kann man an dieser Stelle noch nicht einordnen, im Verlauf der weiteren Bücher entwickelt er sich aber zum Gnom der Herzen, genau wie Bastard Jon und sein Wolf. Ach, wie gern ich auch so einen Wolf hätte, einen, der mich wärmt und der mich beschützt, der aus dem Wald gefetzt kommt, um allen die Kehle aufzureißen, die mir Böses wollen. Und einen Drachen erst, man ahnt, wie Daenerys eines Tages den Drachen in Richtung Cersei, Stannis Baratheon und allen anderen aussenden wird, um die Verräter dem Erdboden gleichzumachen und die Aufregung steigt ins Unermessliche. Wenn sie doch im Buch nur schneller wachsen würden, die vermaledeiten Drachen.

Und hier befinde ich mich nun, das Vierte Buch beendet, das Fünfte liegt weit weg zu Hause, ich fühle mich einsam und leer. Kennt jemand das dumpfe Gefühl, das bleibt, wenn man ein Buch, welches einen einigermaßen gefesselt hat, ausgelesen hat? Dieser Anflug von Panik und die Sehsucht nach den Schauplätzen und Charakteren, die einen wie Gefährten begleitet haben?

Übrigens hat mein Reisepartner mir geagt, er sei nun mit dem Zehnten und letzten Buch fertig, aber trotzdem nicht schlauer. Jedenfalls fühle sich seit langem endlich wieder frei. Vorerst, denn am Ende des Zehnten Teils wird ein „ weitere Bücher sind in Vorbereitung“ angedroht. Game of Thrones, die wahre unendliche Geschichte.

 

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