GEMA nach Hause Demo

Photocredit: Kay Strasser

Auf zur Demo, so schallt es durch die Straßen. Heute wird in der Schönhauser Allee in Berlin demonstriert. Und zwar gemeinsam gegen GEMAeinheiten – für eine gerechte, ausgewogene GEMA-Tarifordnung 2013, so der Leitspruch der Anti – GEMAler. Auch der kuschelige Prenzlauer Berg als Demonstrationsstätte ist nicht willkürlich gewählt worden. Hier findet nämlich zeitgleich ein GEMAmitgliederfest statt. Aber stehen wir in Berlin tatsächlich vor dem Aus unserer geliebten Clubkultur? Keine Parties mehr, keine kleinen Clubs, horrende Eintrittsgelder und Getränkepreise wie  auf Ibiza, müssen nun alle schließen? Oder wird hier unnötig Panik gemacht? Wasn los eigentlich?

Fakt ist, die GEMA führt eine neue Tarifordnung für die Aufführung und Wiedergabe urheberrechtlich geschützter Musik ein, die ab dem 01.01.2013 deutschlandweit in Kraft treten soll. Viele Clubbetreiber, Musiker und Djs fürchten nun ein jähes Ende für Clubs und Veranstaltungsorte, die sich die neuen Tarife nicht werden leisten können. Der Gema wird vorgeworfen, maßlos zu handeln und eine Gebührenerhöhung von 600 – 1200 % vorzusehen, was tatsächlich für die meisten Veranstalter kaum tragbar wäre.

Aufgerufen, sich dem Protest anzuschließen sind alle Betroffenen aus Kreativwirtschaft, Tourismus, Gastronomiegewerbe, Clubbetreiber, Veranstalter und Künstler, sowie alle an kulturellen Veranstaltungen Teilhabende, also auch DU. Anlaß der Demonstration ist die geplante Tariferhöhung, dahinter steckt aber auch der Unmut, der schon vorher durch den Streit mit YouTube entfacht worden war. Ganz allgemein fordern die Veranstalter deshalb eine gerechte und ausgewogene Auslegung und Umsetzung des geltenden Urheberrechts in Deutschland!

Aber  ist die Angst der Veranstalter begründet? Wenn es nach der GEMA – Sprecherin Gaby Schilcher geht, nicht. Sie rechtfertigt die drohende Erhöhung der Tarife mit der nach ihren Angaben bislang bestehenden Unausgewogenheit der Zahlungspflicht, welche der dringenden Reformierung bedürfe. Derzeit sei es so, dass kleine Veranstaltungen im Vergleich relativ viel zahlen müssen, während große eine Art Mengenrabatt genießen würden. Aufgrund dieser Unausgewogenheit habe man sich entschlossen, Transparenz zu schaffen, wie es von Politik und Öffentlichkeit immer wieder gefordert wird. Das hieße in der Konsequenz, dass kleine und mittlere Veranstaltungen weniger belastet würden, ein mittlerer Bereich bezahle das Gleiche, und einige wenige, wie Diskotheken, würden in Zukunft deutlich mehr bezahlen.

Falls dies tatsächlich der Fall wäre, würde dies bedeuten, dass hier unnötig Angst gegen eine eigentlich gerechte Reformierung geschürt wird. Dann aber zeigte sich auch, dass die GEMA schlichtweg keine gute Öffentlichkeitsarbeit geleistet hätte. Das muss sie aber auch gar nicht, denn die GEMA selbst ist KEIN staatliches Organ oder eine Behörde, wie vielfach angenommen wird. Aber kann eine Gesellschaft, die ja auch auf ihre Mitglieder angewiesen ist, die immense öffentliche Kritik dermaßen abtun wie es die GEMA macht? Klar kann sie. Und trotzdem steht sie unter staatlicher Aufsicht, was wiederum die Politik in die Verantwortung bringt, zu kontrollieren, ob diese Gesellschaft nicht womöglich im Übermaß handelt.

Auf ihrer Seite gibt die GEMA an, dass sie selber keinen Gewinn erziele, diesen allein an ihre Mitglieder auszahle. Gleichwohl wird man den Verdacht nicht los, dass nicht nur wirtschaftliche Interessen der Musikschaffenden eine Rolle spielen sondern kleingeistige politische. Was soll das auch mit dem ganzen bunten Partyvolk, warum arbeiten die denn nicht, denkt sich der Durchschnittspolitiker aus dem ländlichen Umkreis von Bonn. Dann könnten sie sich nämlich auch hohe Eintrittsgelder für ordentliche Diskotheken leisten. Dass wirtschaftliche Interessen unsere Stadt regieren, daran werden wir uns als Freiräume – verwöhnte Berliner wohl oder übel gewöhnen müssen. Es scheint aber auch politisch gewollt zu sein, dass große Clubs ihre Preise anziehen, schließlich können auf diese Weise wieder höhere Steuern erhoben werden.

Ob nun Gaby Schilcher Recht behält und nur die größeren Clubs vor einer Gebührenerhöhung stehen oder am Ende alle so viel zahlen müssen, dass die Mehrzahl der Veranstaltungsstätten schließen muss, vermögen wir von hier aus nicht zu beurteilen. Aber selbst in ersterem Fall, hat das Berghain bereits gedroht, zu schließen (damit würden dann nach unserer kühnen Schätzung ca 1 % der Bevölkerung Berlin verlassen und let’s say 10% weniger Touristen nach Berlin kommen) und so beliebte Open Air Veranstaltungen wir die Nation of Gondwana oder die Fusion würde es möglicherweise auch nicht mehr geben. Die Zukunft größerer Veranstaltungen läge dann in riesigen Clubs mit immensen Eintrittsgeldern, wie das in anderen europäischen Städten längst der Fall ist.

Vergessen wird seitens der Politik aber einmal mehr, dass hier nicht nur ein kleiner Haufen Untergrundkreative benachteiligt sondern ein wesentlicher Attraktivitätsfaktor der Stadt womöglich demoliert wird. In der Konsequenz sind dann wieder alle betroffen. Ganz zu schweigen von der Signalwirkung für die Jugend.

Die Anti – GEMA – Kundgebung findet heute auf der Schönhauser Allee, auf Höhe Frannz Club (Kulturbrauerei) von 18.00 – 22.00 Uhr statt.

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