In Neukoelln zu wohnen hat schon so einige Vorteile. Schon seit Jahren in Neukoelln zu wohnen hat sogar noch mehr. Billige Mieten, den Spaetimann auch mal ein par Tage spaeter bezahlen koennen, oder von der Kaufland-Verkaeuferin Probs für die neue Frisur bekommen zum Beispiel. Oder der Besuch beim Hausarzt. So gehe ich gerne zum ÄRZTEHAUS in meiner Nähe. Hier gibt es ALLES. Hier sitzt mein ziemlich herrischer Zahnarzt, dem ich aber blind vertraue, so als junges Ding mit ausgeprägtem Vaterkomplex. Grrr. Bssss. Oder mein schrulliger Urologe, der immer völlig verzückt meine Narbe am Bauch befummelt und dabei murmelt: „Das ist ein Kunstwerk“.
Leider meint er damit nicht meinen Luxuskörper, sondern tatsächlich die Arbeit seiner Kollegen im Vivantes Krankenhaus Neukölln. Die hatten damals nämlich die Ehre mir auf seine Empfehlung hin im Bauch rumzupolken. War super. Viel erwähnenswerter an meinem Urologen mit dem unaussprechlichen Namen finde ich aber seine Praxisdeko. ÜBERALL steht harter Libanon-Kitsch direkt neben schön plastischen Prostata Postern oder Modellen. So steht auf seinem Schreibtisch neben einem Plastik-Ding mit der Aufschrift „I love Libanon“ ein sehr detailliertes Modell des männlichen Harnapparates. Mit Schniedel. Geil.
Also ich gehe ja nur noch zu Männern. Die sind nicht so ruppig. Nicht so verbissen. Nicht so nun-hammse-sich-nich-so. Die haben immer Angst, dass sie einem weh tun. Und bei denen kann man auch immer behaupten, dass sie einem weh tun. Voll gut. Bei meinem Hausarzt ist das aber nicht nötig. Ich glaube, der hat mich vor 5 Jahren das letzte mal untersucht. Damals hat er wohl beschlossen, dass alles ok ist, und jut is. Heute musste ich hin, weil ich eine Mandelentzündung habe – auch Angina genannt. Ich geh also da rein und erkenne erstmal nix wieder. Die Idioten haben renoviert. Ich bin schockiert, denn ich hasse Veränderungen. Erstmal motzen.
Mir wird gesagt, dass die das schon vor knapp einem Jahr gemacht haben. Jetzt bin ich ein bisschen stolz auf mich, weil ich seit einem Jahr nicht mehr zu einem Arzt musste. Hier muss man nie warten. Ich darf gleich durch zum Onkel Doktor. Der Typ sitzt an seinem Schreibtisch und kaut auf etwas ziemlich Großem rum. Er grinst und kaut. Ich sage freundlich „Hallo, was geht ab, lange nicht gesehen, guten Appetit“. Er freut sich und kaut. Er versucht schneller zu kauen.
Ich so: „Jetzt hetzen se sich mal nich so ich brauche eigentlich nur Antibiotika weil ich hab ne Angina“. Er kaut und nickt und gibt mir das Rezept. Mampf mampf mampf. Was isst der da eigentlich? Sieht so aus, als würde das immer mehr werden in seinem Mund. Ich sage dann noch so ein paar höfliche Floskeln, er kaut noch immer. Ein paar Sekunden lang sitzen wir schweigend da, er kaut und glotzt, ich glotze nur. Schließlich schluckt er endlich runter und labert noch ein bisschen rum. Kein Wort über meine Krankheit. Beschwerden, was wie wo. Nix. Nur ein: „Brauchen se noch ne Krankschreibung für die Uni?“. Der Mann glaubt an mich. Nach all den Jahren. Find ich gut.


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Hula Hula Reisegruppe is a Berlin based sound scape dj project bringing together varied influences of dance music to celebrate it like the visit of a carnival. They will be dropping a few lines every month about new records for y’all. Enjoy!
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