Ich trink Latte und Aleppo ist rot

Die Hilflosigkeit

Leute, diese Woche gab es keine neue Musik. Irgendwie fällt es mir schwer über Musik zu schreiben bei dem was gerade abgeht. Irgendwie scheint alles Normale so belanglos angesichts dessen, was in der Welt, insbesondere in Aleppo, passiert. Seit ca einem Jahr beobachte ich ganz genau (wahrscheinlich mehr als mir gut tut) wie sich die politische Lage in Deutschland, in Europa und in den USA verändert. Und ich schaue mir Berichte an aus Aleppo und dem Rest von Syrien, verfolge die Nachrichten und empfinde etwas, was sehr viele von uns empfinden: Hilflosigkeit. Es macht mich wütend, was dort passiert. Ich will das so nicht hinnehmen. Ich weiß aber auch nicht, was ich dagegen tun kann und ich fühle mich deshalb immer öfter wie gelähmt.

Ich gehe eigentlich wählen, damit meine Regierung ihren Einfluss als Wirtschaftsmacht nutzt, um genau solche Situationen wie sie in Aleppo passiert, zumindest versucht zu verhindern. Stattdessen liefert mein Land noch Waffen in die Krisengebiete. Es macht mich wütend und ich fühle mich hilflos, mitanzusehen, wie die ganze Welt den Menschen beim Sterben zusieht. Sie rufen nach Hilfe, die Nachrichten drehen sich um die Situation der Menschen vor Ort, aber keiner hilft, keiner KANN helfen.

Klar, ich kann jetzt mein Profilbild ändern. Fragt sich, wem das etwas nützt. Schön, dass wir alle auf Facebook zeigen, dass Krieg Scheiße ist. Aber erreichen tun wir damit einfach mal nichts. Vielleicht sollte man wieder ganz analog beginnen, auf Demonstrationen zu gehen. Einfach echte Präsenz zeigen und nicht nur digital. Auch um zu schauen, ob wir als Bürger überhaupt irgendwelche Einflußmöglichkeiten haben. Die Rolle des Zuschauers beim Sterben, anscheinend jetzt das neue Ding.

Ich trinke meinen Latte und beobachte die Menschen beim Sterben

Sie sterben, Frauen, Männer, Kinder, alle, und wir hier kaufen Weihnachtsgeschenke, noch mehr Schuhe, machen Party, gehen Essen. Das Leben geht hier einfach weiter und wir sollten auch froh sein, dass wir so leben dürfen. Ich bin dankbar dafür. Aber es ist irgendwie grotesk und es macht mir manchmal mehr als schlechte Laune, weil ich auch wirklich nicht weiß was ich tun soll, außer weiter meinen Latte zu trinken und den Menschen beim Sterben zuzusehen.

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One Comments

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