Interview mit einem Dandy

Meine ebenso skandalgeile Kollegin Daniela und ich haben uns anlaesslich der am Dienstag stattfindenden Fashion-Porno-Premiere und der Dandy Diary Party im Flamingo einen der Dandy Boys geschnappt, sprich, den Jakob, ihn in eine Wohnung gelockt, mit Wein abgefuellt und dann ordentlich…naja, nur interviewt. Ein, wie es sich für einen Dandy gehoert, sehr von sich ueberzeugter, aber wenigstens eloquenter und humorvoller Gespraechspartner (sorry, Lykke Li) saß uns gegenueber und hat mit uns über Wichskabinen, Sex mit Männern, geile Pornos, und natürlich die Dandy Diary/Les Mads Party gesprochen. Ach und über Mode natürlich auch.

Shambo: Stell Dich doch mal vor.

J: Ich bin Jakob, bin seit neuestem 27, habe schon überall in Deutschland gewohnt und schreibe für den Männermodeblog Dandy Diary.

S: Hast Du auch schon im Ausland gewohnt?

J: In der Schweiz, Rigaer Alp, an der Grenze zu Italien. Aber ich bin kein Schweizer.

S: Dafür redest Du auch zu schnell.

J: Dafür denke ich auch zu schnell.

S: Seit wann bist du bei DD dabei?

J: Den Blog gibt es zwischen 2 und 3 Jahre oder? Weiß gar nicht so genau, ich bin jetzt seit einanderthalb Jahren dabei. David hat den Blog als Studentenprojekt gegründet, irgendwann wurde es immer größer und da hat er mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. Seitdem versuchen wir auch, das ein wenig professioneller zu machen, nicht mehr nur nebenher sondern als interessanter und wichtiger Männerblog.

S: Was prädestiniert Dich denn als Dandy?

J: In erster Linie ist es natürlich ein wahnsinnig guter Stil und vorzüglicher Geschmack, der mich prädestiniert.

S: Der Dir vom Himmel zugefallen ist?

J: Der mir vom Himmel zugefallen ist und erlernt in diversen Disconächten, wo ich schillernde Figuren beobachtet habe, dazu kommt, dass ich seit ich 16 bin für verschiedene Magazine schreibe und einfach Texte schreiben kann, was ich mir selbst beigebracht habe..zudem fotografiere ich jetzt auch mit einer recht teuren Kamra. Die hat uns unser Mäzen gesponsert.

S: Euer Mäzen?

J: Ja, bei DD werden wir des öfteren von Mäzenen gesponsert.

S: Wirklich jetzt oder wie? Wie darf man sich das vorstellen, alte Männer aus der Modewelt?

J: Mittelalter Herr, mit fliehender Stirn und Erbe eines Lebensmittelimperiums.

S: Was müsst Ihr dafür tun?

J: Gar nichts, das ist ein Freund von uns. Er fördert uns mit Gedanken und mit Geschenken, sonst würde es DD gar nicht geben. Es sind verschiedene Mäzene.

S: Ach was. Aber Ihr müsst keine körperlichen Gegenleistungen erbringen?

J: Das sind immer nur heterosexuelle Herren.

S: Vielleicht vermittelt Ihr denen Models, nein? Weibliche?

J: Wir vermitteln nur unsere Gesellschaft.

S: Was sind andere gute Männermodeblogs oder gibt es nur Euch?

J: In Deutschland gibt es nichts was ich lesen würde, international Kate Loves Me und Fucking Young aus Spanien, der ist immer brandaktuell und Hype Beast aus L.A.

S: Ist Euch Aktualität wichtig?

J: Wir gewichten, was wir relevant finden, was wir richtig Scheiße finden, da berichten wir auch mal, dass wir es Scheiße finden. Wir versuchen aktuell zu sein, das ist ja die Stärke von Blogs, so ganz aktuell sind wir aber auch nicht, wir wollen ja auch mal schlafen oder ein Buch lesen. Wir achten aber darauf, dass wir alles mit einer Meinung versehen. 30 Prozent Produktneuheiten, neue Kollektionen, 30 Prozent Fashion Weeks und Schauen und 30 Prozent Personality, die eine oder andere Party oder Veranstaltung auf der wir waren.

S: Ich steh nicht auf Männermode, aber bei Euch schaue ich nur wegen dem Unterhaltungswert hinein. Ich lese Euch, weil ich weiß, dass ich mindestens zweimal lachen muss.

J: Das ist uns wichtig, auch der, der Spaß an guten Sätzen hat, soll bei uns reinschauen. Ein humorvoller Blick auf die Mode, da Fashion oft sehr theatralisch und ernst ist. Wir haben Spaß an Mode.

S: Eure Kontroversität ist also pure Absicht!?

J: Ja, wir sind zum Glück nicht abhängig von Werbeerlösen. Ich lese lieber Hasstiraden als eine Beschreibung darüber, wie die eine Nuance einer neuen Kollektion von der alten abweicht.

S. Hm, verstehen wir. Wie ist das, habt Ihr auch schon Nachteile dadurch erfahren, dass Ihr jemanden gedisst habt? Seid Ihr mal zu einer Show nicht eingeladen worden oder so? Oder kriechen Euch die Leute dadurch erst recht in den Arsch. Ist ja in der Modewelt bei vielen so…?

J: Also ich noch nicht, aber mit den Einladungen, das kann ich schwer sagen, denn ich habe meine Adresse kürzlich geändert, bin in ein neues Loft gezogen, mit Alsterblick. Zu Michael Michalsky werden wir jedenfalls nicht eingeladen, die Karten bekommen wir immer hintenrum. Über ihn haben wir schon viel Schlechtes geschrieben, z.B. dass er im Berghain mit Wowereit geschlafen hat. Das war natürlich ein Witz.

S: Aber könnt Ihr doch drauf verzichten auf die Einladung, oder nicht? So souverän seid Ihr dann doch nicht?

J: Och, das ist ja amüsant, weil man da so viele Leute trifft. Die haben Sky Wodka, den haben wir bei unserer Party nicht und auf den Shows tummeln sich ja auch ganz hübsche Menschen, ist nicht so, dass wir nicht gucken wollen würden.

S: Bekommt Ihr Einladungen für Hugo Boss?

J: Heute herein geflattert. Die einzige Show mit Glamour, wo Berlin aus diesem Dörflichen herauskommt. Hat natürlich auch so Flughafen-Duty Free-Charme, aber für Berlin ist das schon was.

S: Was Euch ja beide auch auszeichnet, ist die Tatsache, dass Ihr über Männermode berichtet, aber, so viel ich weiß, hetero seid.

J: Äh, jein.

S: Ach? Erzähl mal. Man nimmt, was kommt?

J: Neulich stand in der Taz, dass es eine Tendenz des aus Versehen Bi-Werdens gibt in der urbanen Umgebung. Das finde ich Quatsch, kann sich ja täglich ändern, alles völlig egal. Ich kann für David mitsprechen, wenn ich sage, dass wir beide nicht 50er Jahre normiert sind.

S: Hast Du denn schon einmal Sex mit einem Mann gehabt?

J: Erm, das hat glaube ich keine Relevanz für den Blog. Genau das war ja die Intention von David, den Blog zu betreiben, denn er hat Männermode gegoogelt und nur Seiten von Schwulen betrieben gefunden. Ganz schlimm finde ich, wenn es so mittelalte Schwule sind, die glauben, anfang 20jährigen eine Mode diktieren zu müssen. Die sollen doch ihre Fresse halten. Ich gucke nicht mit einem heterosexuellen Blick auf Mode. Ich finde Rocker z. B. total geil, muss ich aber deshalb nicht gleich mit schlafen oder. Oder dickbusige Blondinen mögen, obwohl ich die gut finde, das sei erwähnt.

S: Apropos, hilft Euch der Blog dabei Models abzuschleppen?

J: Ständig, weil wir uns ja in der Modebranche bewegen. Ich bin aktuell aber in einer Beziehung, auch mit einem Model. Aber die hab ich im Club kennen gelernt.

S: Also nehmt Ihr auch normale Frauen?

J: Also, wenn sie uns ansprechen, sollten sie schon Models sein..

S: Was haltet Ihr denn vom derzeitigen Trend, dass weibliche Models eher männlich aussehen, also keinerlei weibliche Formen mehr haben, maskuline Gesichtszüge bevorzugt sind und gar Transsexuelle als weibliche Models fungieren?

J: Find ich jetzt nicht so sexy, ich finde Freia Beya Erichsen sexy, aber ansonsten stehe ich schon eher auf Frauen, die nach Frauen aussehen. Ich mag lange Haare, klassische 90er Models. Ich mag Frauen. Wenn man auf Jungen steht, kann man ja auch Jungen nehmen, bei Frauen ist Weiblichkeit ästethisch, nicht so ein JLo-Arsch, eher sinnlich, auch zierlich. Groß, dünn..

S: Und trotzdem Brüste.

J: Ich bin realistsich, das wäre ja unnatürlich. (Grinst)

S: Dein Alltime-Favourite Model?

J: Tony Ward. Danach Christy Turlington.

S: Mit Tony Ward würdest Du dann auch ins Bett?

J: Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde. Er hat ja mal Pornos gedreht.

S: Da sind wir auch schon beim Thema. Ihr habt am Dienstag Eure Fashion-Porn Premiere.

J: Ich stehe eigentlich gar nicht auf Pornos. Gerade die US-Amerikanischen, zu klinisch, sie interessieren mich nicht. Wir haben jetzt, soweit ich weiß, den ersten Fashion Porno jemals gedreht. Dafür haben wir uns ein paar Tausend Euro geliehen und ein Pärchen gebucht. Die sind auch wirklich zusammen, wir wollten eine intime Atmosphäre schaffen, gerade das, was in normalen Pornos nicht vorkommt. Die Idee dahinter ist, dass Mode ja permanent Sex transportiert, das Versprechen auf Sex ist immer mit im Spiel. In sämtlichen Fotokampagnen und auf dem Laufsteg. Also zumindest, wenn es um den Verkauf geht. Die Zerbrechlichkeit der Frau und ihr männlicher Beschützer. Wir wollten das Pferd andersherum aufzäumen. Vom Sex über die Mode. Wir beginnen mit Sex und lösen es in der Mode auf. Also nicht, wenn Du die und die Mode trägst, wirst Du das heißeste Mädchen bekommen. Es ist ein Fashion-Kurzfilm, nicht für die Leinwand sondern für You Tube, ganz nach dem Trend. Wir wollen dem Genre Fashion-Films einen neuen Dreh geben.

S: Habt Ihr Angst vor den Reaktionen oder ist Euch das schnurzpiepe?

J: Nein, egal ist uns das nicht. Wir zeigen den Film ja am Dienstag vor unser großen Fashion Week Party in einem Sexshop in Neukölln. In Mitte haben wir keinen gefunden, der das mitgemacht hätte. Wir haben wahnsinnig viele Journalisten eingeladen, die, wie ich das sehe, auch alle kommen. Es wird Wichskabinen geben! Und man sitzt auf Kinosesseln, wo sonst die Männer gucken und sich einen runterholen.

S: Ah ja, die Sitze sollten wir also nicht berühren?

J: Doch klar, das ist ja nur Sperma! Wer will kann auch in den Wichskabinen ornanieren, sich intensiver mit dem Film beschäftigen. Allerdings stellen wir uns das wie eine gutbürgerliche Soiree vor, mit Sekt und netten Gesprächen. Eben nur mit Porno und Wichskabinen!

S: Wie viele Erektionen hattest Du während des Drehs?

J: Null, es war an einem Sonntag, ich hatte noch gar nicht geschlafen, war im Berghain. Da ging nicht viel. Die Atmosphäre ist auch eher arbeitsmäßig, wir haben auch Viagra zu Hilfe genommen. Also der Darsteller. Ich meine, es gibt viele Fittings, die Klamotten dürfen nicht einsauen und so, da kann man nicht permanent eine Erektion haben.

S: Ach so. Inwiefern steh der Porno im Zusammenhang mit der Party?

J: In gar keinem. Die Party machen wir ja mit Les Mads und die haben mit dem Porno nichts zu tun. Das ist ja Burda und die sind höchstseriös. Das sind völlig verschiedene Projekte, die miteinander in keinem Zusammenhang stehen.

S: Du bist jetzt also Pornoproduzent. Noch irgendwelche Ziele im Leben?

J: Vielleicht Ehrenprofessor?

S: Das schaffst Du bestimmt. Warte, vielleicht sollten wir noch über Modetrends sprechen. Erzähl doch mal, was kommt diese Saison so bei Männern?

J: Also Latzhosen sind der große Trend 2012 neben Sport-und Funktionskleidung, atmungsaktiv, Netz, alles, was nach Sport aussieht, Atmungslöcher unter der Achsel.

S: Habt Ihr nicht auch etwas von spitzen Schuhen geschrieben?

J: Um Gottes Willen, die sind out, tragen nur noch Arschgeigen! Generell gilt: overdressed ist Trend, mal so richtig auflacken. Ganz groß im Kommen auch solche Sportbrillen, wie Lance Armstrong sie trägt!

S: Damit rennst Du dann auch rum im Frühling, willst Du uns das weismachen? Schämst Du Dich dann nicht?

J: Natürlich nicht! Warum sollte ich mich schämen, alle anderen sollten sich schämen, gerade die Ray Ban Träger, die Arschlöcher. An die Kopfform angepasste Rennfahrerbrillen, das trägt man! Weiter knallbunte Turnschuhe, Asics oder New Balance. Auch Schlaghosen, aber das dauert noch, bei Männern dauert alles länger.

S: Ich erinnere mich, letztes Jahr den David bei einer Fashion-Week-Veranstaltung gesehen zu haben, wo er Schlaghosen trug und, ich weiß gar nicht, ob er es bemerkt hat, schrecklich ausgelacht worden ist von den anwesenden Fashion-People.

J: Das waren keine Fashion People, das waren verfluchte Hurensöhne! Verfickte Hurensöhne.

S: Und oben?

J: Weit. Weite Ärmel. Und Beanies.

S: Und die Frauen?

J: Das ist egal, Hauptsache teure Schuhe! Nicht unter 600 Euro pro Fuß.

S: Danke Jakob für das gute Gespräch, wir haben viel gelacht. Wir müssen muss jetzt aufs Klo.

J: Wird mir das noch mal zur Autorisierung vorgelegt?

S: Nein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


RANDOM FAVOURITES
Techno in den 90ern verpasst?
Für all diejenigen, die den großartigen Bericht über die Anfänge von Techno in Berlin nach dem Mauerfall auf Arte am Sonntag verpasst haben, gibt es hier noch einmal den...
(more)

Ben Dahlhaus – Model und Gott
Kennt ihr schon Ben Dahlhaus? Das ist der neue schönste Mann der Welt. Er modelt seit 24 Jahren. Ich meine, man muss sie schon mögen, diese Bärte. Die meisten...
(more)

Berghain DJ Ben Klock unboiled
Wie gut ist das bitte !? Ben Klock seinerseits allseits beliebter Berghain DJ, hatte die Ehre vor einiger Zeit im BoilerRoom samt kamerageiler Crowd zu performen. Nicht dass ...
(more)

SHAMBO ON FACEBOOK


DIARIES
Vom System gefickt
Der moderne Mensch muss sich ja mit allerlei Scheiße auseinandersetzen. Arbeit, Freizeitgestaltung, Freundschaften, das ewige Problem des Über-die-eigenen-Verlältnisse-lebens oder eben Beziehungen. Mit Letzterem beschäftigen wir uns alle ja besonders gerne.
(more)
Stoppt die Toyboy-Diskriminierung!
Unsere Gastautorin Sophia bloggt auf ihrem Personality-Blog Oh Sophia. Für uns hat sie sich eines Themas angenommen, das eine stetig wachsende Zahl von Frauen betrifft. Auch sie hat damit persönliche Erfahrungen gemacht.
(more)
Die Ich - Generation
Ich bin ein Relikt. Aus irgendeiner Zeit, ich kann ja nicht einmal die Epoche einordnen. Oder ein Alien. Ich wundere mich unentwegt über eine Gesellschaft, welche die Worte Zurückhaltung, Benehmen und Höflichkeit nicht mehr kennt.
(more)

HOT MUSIC VIDEOS
Sia – Elastic Heart feat. Shia LaBeouf
Im Sommer haben wir Sias Chandelier zum Song und Video des Jahres ernannt. Wer schon das Video zu Chandelier mit Kindtänzerin Maggie Ziegler psycho...
(more)

PHOTOS
नमस्ते, Kuh und Hakenkreuz
Indien ist mehr Reise als Urlaub. Das Land, seine Menschen und ihre Braeuche kennen lernen. So viele Eindruecke, dass wir sie jetzt noch verarbeiten. Januar-Februar-Maerz, gern mal als die schlimmste Zeit des Berliner Jahres gesehen, schreit foermlich danach, das Weite zu suchen.
(more)
A Boiling Room: Photos
Boiler Room at Stattbad Berlin Wedding last evening was the shit. Modeselektor burned the house with a bassline so loud, the police showed up: switching like mad from one style to another, giving people the climax with a late 90s smasher.
(more)
DJ Hell is everywhere man!
Das war ein Abend vor zwei Wochen. Patrick Mohr Shop Opening und Boiler Room und überall war dieser Dj Hell. Wir haben uns ganz schön bedrängt gefühlt, er hängte sich praktisch an uns und folgte uns von Mitte bis in den Wedding zum Stattbad. Das war echt gruselig.
(more)

VIDEOS
Ghost in the Elevator
Do you know that new I-scare-the-shit-out-of-you video Ghost in the Elevator.
Mean, meaner, the meanest!

Don’t do that to your friends, just don’t!
(more)
Facebook ist ein Drecksverein!
Das wissen wir ja bereits seit einer Weile. So schnell wie wir MySpace verrätermäßig den Rücken gekehrt haben, konnte zwar keiner gucken. Hat sich aber gelegt die Begeisterung, entblöste Daten, geleakte Privatnachrichten, Veröffentlichung privater Fotos.
(more)