Lieber Gott, mach dass ich

…erwachsen werde. Eigentlich könnte es nicht besser sein, im Ofen brutzelt eine selbstgemachte Lasagne, die ausgeliehene DVD liegt schon im Player, jetzt nur noch schnell in die bequeme Jogginghose springen, Omas dicke Socken drüber und fertig. Der gemütliche Abend kann beginnen. Doch woher kommt plötzlich dieses Gefühl, was ist das nur, es fühlt sich an wie eine kleine Panikattacke. Einfach ignorieren und den Film weiter schauen. DA, schon wieder, es kribbelt so komisch im Bauch, die Gedanken schweifen ab; „War das die richtige Entscheidung, zu Hause zu bleiben? Was wohl die anderen heute machen? Was, wenn ich DIE Party verpasse?

Nein, das ist doch Schwachsinn, ich hatte mich doch auf einen ruhigen Abend gefreut. Kann ja immer noch morgen Abend ausgehen. Aber hoffentlich geht jemand morgen mit feiern? Nicht dass die alle heute schon so auf die Kacke hauen und morgen dann zu hause bleiben. Warum hab ich das nicht so gemacht? Verdammt.

Der Film wird kurz gestoppt und eine SMS an die Freundin geschickt: „Hey Liebes, was machst du? Geht’s du heute feiern? Xx“

10 Minuten später die Antwort: „Sind gerade noch inner Bar was trinken. Später ins Chalet, Kai legt auf. Wo bist du? Komm mit, wird großartig! Alle gehen. Kuss“

Und schon geht er weiter, der innere Kampf, der eben erst begonnen hatte; „Alle gehen!? Wer alle? Ich hab doch eigentlich gar keine Lust und müde bin ich auch. Ich bleib zu Hause, scheiß drauf!“

25 Minuten später eine SMS von Lisa: „ Treffe die anderen gleich im Chalet. Du kommst doch auch oder? Hab soooo Lust mit dir zu feiern…die ganze Nacht!!!“

Plötzlich ist der gemütliche Freitagabend nicht mehr der, auf den sich seit Beginn der Woche gefreut wurde. Statt Entspannung herrscht Kopfkino. Wieso verspüren wir diesen ständigen Druck etwas zu verpassen und unbedingt dabei sein zu wollen? Haben wir uns einst so sehr über eine Stadt wie Berlin gefreut, in der die Ausgeh-Möglichkeiten schier unmöglich schienen, verfluchen wir diese grenzenlose Freiheit mittlerweile genau so oft. Täglich zeigt unser Facebook-Profil etliche Veranstaltungen an, wo mindestens jede dritte reizvoll erscheint. Zusätzliche Anfragen von Freunden nicht mit eingerechnet. Doch wann hören diese Gedanken endlich auf?

Die meisten von uns gehen etwa seit 15 Jahren, Woche für Woche, feiern. Es gibt also nichts, was wir nicht schon gesehen und viele Male erlebt haben. Selbst eine Beziehung ist keine Garant mehr dafür, die Hummeln aus dem Arsch zu vertreiben. Auch wenn der ruhige Freitagabend zu zweit deutlich schöner ausfällt, heißt es nicht dass oben erwähnte Gedanken dadurch nicht existieren.

Was mit dem Alter sicherlich leichter fällt, ist die Wertschätzung eines Kater-freien Sonntag, an dem wir wie alle anderen normalen Menschen auch, vor die Tür gehen können, über den Flohmarkt schlendern und ein überteuertes Stück Kuchen genießen. Doch gleichzeitig wissen wir auch wie erfüllend ein Sonntag in Gesellschaft eines dicken, fetten Katers im Bett sein kann. Auch wenn wir uns kaum bewegen können und jedes einzelne Haar am Körper schmerzt, schwelgen wir in nächtlichen Erinnerungen und schaffen es, uns hier und da ein Lächeln abzuringen.

Sicher wird uns die anbrechende Jahreszeit, die ein oder andere Entscheidung in den kommenden Wochen abnehmen, denn niemandem macht es Spaß, vier Schichten Jacken an der Garderobe abzugeben, um dann auf dem Nachhauseweg morgens bei Minus Graden doch bitterlich zu frieren. Außerdem können wir das gesparte Geld in Weihnachtsgeschenke für unsere Liebsten investieren. Und dann kommt ja auch noch Silvester und und….und warum versuchen wir schon wieder, uns etwas vor zu machen?

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