Party mit New Yorks High Society

ny skyline

Blutende Nasen und Dreistigkeiten – Ich habe ja schon viel erlebt, aber mein New York Kurz-Trip letzte Woche bekommt ein Sondersternchen in meinem Buch der persönlichen Erinnerungen. Nein, dass hier soll kein beliebiger Bericht über New Yorks coole Ecken sein, vielmehr möchte ich euch berichten, wie peinlich die New Yorker High-Society so feiert.

Berlin – New York

Alles fing damit an, dass ein guter Freund, ein in NY gern gebuchter DJ, mich dazu einlud, ihn auf zwei Gigs mit in die „Stadt der für Reiche unbegrenzten Möglichkeiten“ zu jetten. Gefragt getan, also buchte ich Air Berlin Direktflüge zu den bestmöglichen Konditionen und flog zusammen mit zwei Freunden zum zweiten mal in meinem Leben nach NY. Unser Quartier in China Town bezogen, todmüde aber mit einem Cheese Omelett in unserem Lieblingsdiner gestärkt, machten wir uns um 1 Uhr morgens auf den Weg.

soho-ny

I own this club

Mitten in New Yorks Meatpacking District stellten wir uns neben die Schlange aus willigen Schönheiten und reichen Männern. Um dem Doorman Bescheid zu geben, dass wir, der DJ, nun da ist, schlichen wir uns etwas unsicher nach vorn. Es gibt dazu zu sagen, dass Türsteher in NY besonders gerne ihren 5 Minuten-Überlegenheit nutzen und dich mit gekonnt abwertenden Blicken zu mustern, bzw. dich gar nicht anzugucken. Die können das echt gut. Spätestens wenn du sagst „I own this club“ oder I am the DJ“ switchen sie dann aber gekonnt in den Diener-Mode und dir stehen alle Türen offen. Wie alt oder underdressed du bist, interessiert plötzlich keine Sau mehr – Wenn du Geld hast, gilt in NY für dich Narrenfreiheit.

ny-streetart

Reiche Männer und willige Bitches

Im Club erkannte man schon worum es heute gehen würde. Viele gutbetuchte Männer saßen auf Couches, die im nicht allzu großen Raum verteilt waren. Die Tische jeweils bestück mit einer teuren Flasche irgendwas, deren Etikett gekonnt einem angeklebten Neonknicklicht beleuchtet wurde. Was eine Erfindung! Endlich kann jeder auch in dunklen Räumen erkennen, wieviel sinnloses Geld der Mann auszugeben hat. Links und rechts der Flaschen standen, saßen und räkelten sich hübsche Frauen, wie die Schlangen auf Medusas Kopf.

All evil things

all-evil-things

Hinter dem DJ Booth war dann, so beschrieb auch eine lila Leuchtschrift „The place for all evil“. Dort saßen mehrere gut gelaunte Menschen, schaufelten sich miniaturlöffelweise  Koks in die Nase und schüttelten sich nach jedem Blow wie ein nasser Hund. Dem „Touchiness-Factor“ nach zu urteilen, wurden auch schon einige Mollys gepoppt und ordentlich geschwitzt. Umgeben von einem Mix aus Geld, Schweiß, Drogen und Schönheit, wechselte mein Kumpel den übrigens noch völlig nüchternden Vorgänger-DJ ab, um sein Set zu starten – Wir konnten uns da schon ausmalen was uns noch erwartete.

Die Drogen kicken

So etwa in der Mitte des Sets, kickten die Drogen bei den meisten und es wurde alles noch absurder. Während mein Freund und ich uns an unsere kleinen $10 Biere klammerten, ging bei Miss „Zu viel von Allem“ richtig die Post ab. Arme und Beine wurden ohne jedes Taktgefühl zur guten Musik, in alle möglichen Himmelsrichtungen gestreckt. Kurz dannach wurde sich wieder intensiv selbst gestreichelt und dabei gelacht als wäre sie von einem Clown besässen. Mit unkoordinierten Bewegungen schaffte es dann Mister“Viel zu Viel von allem“ zu ihr rüber, um sich mit ihr in einer Art geheimen Zeichensprache zu verständigen. Hat leider nicht mehr funktioniert, also machte er schon früh einen Schlussstrich unter den Abend und sich auf den Weg die Party auffällig ungekonnt zu verlassen. Gegen ihn war Fear and Loathing Kindergarten, ich sag’s euch.

You can’t always get what you want

Plötzlich streifte eine Hand die meine. Es war Miss „ZvvA“, die mein Bier entdeckt hatte. Zielstrebig und mit großen Augen griff sie nach meinem teuer erkauften Bierchen. Sie war doch tatsächlich der Meinung, dass alles was sie berührte, ihr gehören würde. Für mich aber war dieses Bier so wertvoll, wie meine erste MP3 Sammlung. Also nahm ich ihre Hand vom Bier und sagte ihr im hervorragenden Englisch „No! This is mine“. Ablehnung kannte sie so wohl nicht. Mit einem „Pffff“ und einem abwertenden Haarschwung verließ sie mich Richtung Tanzfläche, auf der sie eine Weile wackelig umherhurte. Doch auch hier, stieß sie nicht gerade auf positive Resonanz, also erkor sie den DJ als Ziel ihrer angekoksten Begierde.

ficker-ny

Mit ihren dünnen Ärmchen versuchte sie zuerst das DJ Pult von vorn zu erklimmen. Als sie aber bemerkte, dass das Display des Notebooks nicht stabil genug war, um sich an ihm hinaufzuhieven, startete sie zusammen mit einer Freundin einen zweiten Versuch auf der Rückseite der Box. Also drückten sie sich und ihre Freundin elegant an uns vorbei zum DJ, um diesen ihre langen manikürten Finger unter das T-Shirt zu schieben. Geistreiche Sätze „Are you awesome!?“ in vielfacher Ausführung waren alles was die beiden noch im Stande waren zu kommunizieren. Ich wollte das Trauerspiel beenden und die schob beide mit meinen Armen spielverderbermäßig zur Seite. „So nicht meine Damen“, sagte mein Zeigefinger der wie ein Metronom vor ihren großen Pupillen auf und abwippte. Ihre Antwort war ein prägnanter und angeleckter Mittelfinger – Classy!

Walk of Shame

Nachdem die beiden verstanden hatten, dass auch der DJ ungewillt war, ihrem Bedürfnis nach Bestätigung nachzukommen, nutzte ich die ruhige Minute, um die Toilette aufzusuchen. Ein Klo-Helfer reichte mir das Handtuch und verlangte für diesen Service gefühlt Trinkgeld in Höhe meines Monatslohns. Als wäre das nicht genug, erwarteten mich auf dem Gang  zwei süße, kleine Mädels mit blutigen Taschentuch vor der Nase, was  ein Empfangskomittee. Als dann auch noch Juri, womöglich 16-jähriger Sohn eines Oligarchen, mit zwei wirklich attraktiven Models im Arm an mir vorbei stolzierte, hatte ich genug gesehen. Ich bestellte noch drei $10 Biere für die Atzen und sehnte mich mit müden Augen dem Ende der Nacht entgegen.

Glücklicherweise hatte sich ein junger Mann erbarmt und Miss „zu viel von Allem“ buchstäblich aus dem Club mitgenommen und orginal bis ins Taxi getragen. Nur den Walk of Shame am nächsten morgen, den musste sie alleine gehen.

Georg tagged this post with: , , , , , Read 82 articles by

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


RANDOM FAVOURITES
Techno in den 90ern verpasst?
Für all diejenigen, die den großartigen Bericht über die Anfänge von Techno in Berlin nach dem Mauerfall auf Arte am Sonntag verpasst haben, gibt es hier noch einmal den...
(more)

Ben Dahlhaus – Model und Gott
Kennt ihr schon Ben Dahlhaus? Das ist der neue schönste Mann der Welt. Er modelt seit 24 Jahren. Ich meine, man muss sie schon mögen, diese Bärte. Die meisten...
(more)

Berghain DJ Ben Klock unboiled
Wie gut ist das bitte !? Ben Klock seinerseits allseits beliebter Berghain DJ, hatte die Ehre vor einiger Zeit im BoilerRoom samt kamerageiler Crowd zu performen. Nicht dass ...
(more)

SHAMBO ON FACEBOOK


DIARIES
Vom System gefickt
Der moderne Mensch muss sich ja mit allerlei Scheiße auseinandersetzen. Arbeit, Freizeitgestaltung, Freundschaften, das ewige Problem des Über-die-eigenen-Verlältnisse-lebens oder eben Beziehungen. Mit Letzterem beschäftigen wir uns alle ja besonders gerne.
(more)
Stoppt die Toyboy-Diskriminierung!
Unsere Gastautorin Sophia bloggt auf ihrem Personality-Blog Oh Sophia. Für uns hat sie sich eines Themas angenommen, das eine stetig wachsende Zahl von Frauen betrifft. Auch sie hat damit persönliche Erfahrungen gemacht.
(more)
Die Ich - Generation
Ich bin ein Relikt. Aus irgendeiner Zeit, ich kann ja nicht einmal die Epoche einordnen. Oder ein Alien. Ich wundere mich unentwegt über eine Gesellschaft, welche die Worte Zurückhaltung, Benehmen und Höflichkeit nicht mehr kennt.
(more)

HOT MUSIC VIDEOS
Sia – Elastic Heart feat. Shia LaBeouf
Im Sommer haben wir Sias Chandelier zum Song und Video des Jahres ernannt. Wer schon das Video zu Chandelier mit Kindtänzerin Maggie Ziegler psycho...
(more)

PHOTOS
नमस्ते, Kuh und Hakenkreuz
Indien ist mehr Reise als Urlaub. Das Land, seine Menschen und ihre Braeuche kennen lernen. So viele Eindruecke, dass wir sie jetzt noch verarbeiten. Januar-Februar-Maerz, gern mal als die schlimmste Zeit des Berliner Jahres gesehen, schreit foermlich danach, das Weite zu suchen.
(more)
A Boiling Room: Photos
Boiler Room at Stattbad Berlin Wedding last evening was the shit. Modeselektor burned the house with a bassline so loud, the police showed up: switching like mad from one style to another, giving people the climax with a late 90s smasher.
(more)
DJ Hell is everywhere man!
Das war ein Abend vor zwei Wochen. Patrick Mohr Shop Opening und Boiler Room und überall war dieser Dj Hell. Wir haben uns ganz schön bedrängt gefühlt, er hängte sich praktisch an uns und folgte uns von Mitte bis in den Wedding zum Stattbad. Das war echt gruselig.
(more)

VIDEOS
Ghost in the Elevator
Do you know that new I-scare-the-shit-out-of-you video Ghost in the Elevator.
Mean, meaner, the meanest!

Don’t do that to your friends, just don’t!
(more)
Facebook ist ein Drecksverein!
Das wissen wir ja bereits seit einer Weile. So schnell wie wir MySpace verrätermäßig den Rücken gekehrt haben, konnte zwar keiner gucken. Hat sich aber gelegt die Begeisterung, entblöste Daten, geleakte Privatnachrichten, Veröffentlichung privater Fotos.
(more)