Run Pack @ Half-Marathon

aufmacher

Run Crews boomen und spriessen an allen Ecken und Marathons sind das neue Ding. Menschen, die bislang nicht viel mit körperlicher Ertüchtigung am Hut hatten, erfahren eine ganz neue Leidenschaft: Das Laufen gehen. Ob nun gemeinsam an Bestzeiten gearbeitet oder einfach der innere Schweinehund überwunden wird: In einer Gruppe zu laufen, gibt vielen die Motivation, die sie brauchen, um am Ball zu bleiben. Es ist außerdem eine gute Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. Ich war mit einer dieser Laufcrews unterwegs und habe ganz neue Einblicke bekommen, wie ernst man das Laufen eigentlich nehmen kann. So ernst, dass man tatsächlich einen über 20 Kilometer langen Halb-Marathon in weniger als anderthalb Stunden läuft und sechs Tage die Woche dafür trainiert. Wenn eine Laufgruppe dann noch eine eigene Cheer-Crew mit Trommeln und sogar Saxophon hat, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

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Marathon hieß bislang für mich: Auto geht nicht, Taxi auch nicht, die  Stadt ist voll und sollte gemieden werden. Außerdem viele komische Leute mit knallengen Hosen. Zum ersten Mal aber habe ich mir beim diesjährigen Halb-Marathon alles gegeben, so richtig mit Sonntags in der Früh aufstehen und so. Wahnsinn, was für Massen sich morgens so super-euphorisch auf der Frankfurter Allee eingefunden haben. Hier ein kurzer Zeitstrahl meines Halb-Marathon-Tages (Halb-Marathon weil nur die Hälfte der Strecke eines normalen Marathons gelaufen wird):

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7.45: Der Wecker klingelt. Kann sich nur um einen Scherz halten. Ist jetzt die Zeitumstellung schon eingerechnet? Sie ist. Haustier guckt als wolle es sagen “ Bist du blöd, es ist Sonntag..“ Bleibt auch demonstrativ liegen. Schönen Dank.

8.45 Presse mich mit Leuten in Glanzleggins in die U5. Der streckennahe U-Bahnhof ist erstmal gesperrt, die Bahn fährt, ohne zu halten, durch den Geisterbahnhof, wie in DDR-Zeiten. Wieso bin ich eigentlich die Einzige ohne Radlerhose oder Glanzleggings? Hab so etwas noch von American Aparell von vor 7 Jahren, hätte ich tragen können, kein Ding, man muss es nur vorher wissen.

9.15: Treffen auf muntere Mitglieder des RunPacks, meiner Begleitlaufgruppe, denen ich zujubeln will. Ihre Euphorie steckt irgendwie an, ich freue mich und ärgere mich ein wenig, nicht mitzulaufen. 20 Kilometer? Easy!

10.00: Kurz vor dem Start: Massenattacke tausender Läufer auf die Dixie-Klos. Letzte Chance auf ein Kilo weniger und damit mehr Schnelligkeit, wird weitläufig genutzt und kommentiert, würg.

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10.05: Start der Läufer in mehreren Wellen. Wer im Bereich F startet, wartet ewig und kommt halt auch später an. Ich bin erstaunt, entsetzt und beeindruckt zugleich, wie viele Menschen hier mitlaufen. Die Meisten sind jung, nicht alle sehen trainiert aus, viele starten in Gruppen. Das ist also so ein gesellschaftliches Ding, kapiere ich. Man geht nicht brunchen oder saufen sondern Marathon-Laufen. Okay.

10.30: Wetzen in die Bahn, ab zum Cheer-Point.

11.00 Ankunft Cheer-Point an Kilometer 18. Erstmal Kaffee holen, ist ja noch früh. Wirklich toll ist es, an einem der Cheer-Points die ersten Läufer unter Polizeischutz an sich vorbeilaufen zu sehen, um dann um einiges später bekannte Gesichter zu entdecken. Man sind die schnell. Wahnsinn. Die Läufer des Run Packs flitzen jetzt einer nach dem anderen vorbei. Man hat unterschiedliche Lauf-Zeiten. Ich stehe mit der Cheer-Gruppe des Run Packs zusammen. Die haben Trommel, Saxophon, Tröten und Plakate dabei. Richtig gut. Ich bin begeistert. So eine Cheer-Gruppe kann auf den letzten Metern wirklich noch einmal beflügeln und den Läufer durchs Ziel bringen: Also, Tröten raus und das nächste Mal mitkommen, anfeuern.

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13.00: Glückliche und halbtote Menschen sind am Ziel angelangt. Meine Gruppe ist trainiert, man sieht kaum jemandem an, dass sie alle eben mal so 20 Km hinter sich gebracht haben. Die einen waren schneller, die anderen langsamer, insgesamt sind die aber topfit. Bei anderen Läufern ist das nicht so. Manche liegen auf dem Boden, sind am Ende. Angeblich ist letztes Jahr jemand an Erschöpfung gestorben. Untrainiert sollte man hier nicht mitlaufen, 20 Km sind nicht zu unterschätzen. Raucher müssen eh zu Hause bleiben. Auf der Suche nach Feuer finde ich weit und breit niemanden, das sagt alles.

14.00: Ich feiere mit dem Run Pack und alkoholfreiem Bier das Ende dieses Marathon-Tages. Heute Abend gehen sie noch feiern. Ich nicht, ich gehe laufen, damit ich nächstes Jahr aktiv dabei sein kann. Wer braucht schon Party? Laufen gehen ist das neue Party machen.

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2 Comments

  1. Tim sagt:

    Hahaha. Gib‘ dem Kind einen neuen Namen und schon wird (wieder) ein Trend daraus.

    Früher hieß das Laufgruppe oder Trimm Trab. Meine Eltern und ihre Freunde sind dann wohl die älteste Run Crew Berlins – jeden Sonntag seit 30 Jahren ab in Grunewald. 🙂

    Have fun running!

  2. Isabella sagt:

    Aw. Was für ein schöner Artikel Suz!

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