…freundlich sein. Ich traf sie bei einer Party, irgendein Open Air. Natürlich weiß ich noch genau welches, aber das tut hier nichts zur Sache. Ich hatte überhaupt keine Intentionen, eine Frau kennenzulernen, einfach keine. Ich wollte nicht mal los an dem Abend, bin aber überredet worden. Dann stand ich an der Bar und sie stand neben mir und irgendwie mussten wir miteinander sprechen, es ging nicht anders. Vorher hatte sie schon hinübergeschaut, eigentlich war da alles schon klar. So etwas passiert einem nicht andauernd. So etwas passiert vielleicht einmal, höchstens zweimal im Leben. Dass einfach alles schon klar ist, wenn man sich sieht, wenn man neben jemandem steht.
Irgendwie ist sie gar nicht mein Typ, sie ist zu klein und vielleicht auch etwas zu dick. Aber sie hat dieses unglaublich Selbstbewusste im Blick, diese Augen, ich träume jede Nacht von diesen Augen. Und sie hat schönes Haar, so weich. Und sie riecht gut. Ich meine nicht nach Parfüm sondern SIE riecht gut, ihr Körper, selbst wenn sie eine Nacht unterwegs gewesen ist, Menschen riechen einfach nach sich selbst und ihr Geruch war sofort mein Geruch, der war für mich, keine Chance wegzurennen, keine Möglichkeit, zu flüchten.
Ich habe es gesehen, ich habe es ihr angesehen, dass es ihr ebenso ging als sie mich sah, als wir uns zum ersten Mal berührten. Niemand kann sich so verstellen. Ich bin ein Mann und ich kann mich verstellen. Man tut alles, um ein Mädchen ins Bett zu bekommen, wer ficken will, muss freundlich sein, an den Spruch habe ich mich immer gehalten. Aber hier musste ich mich verstellen, damit sie mir nicht ansieht, wie sehr sie mich schon hatte. Ich konnte nichts tun. Manchmal ist es einfach so zwischen zwei Menschen, man bewegt sich nur noch aufeinander zu, Magnetismus. Keine Menschen mehr, nur noch Magneten. So verbrachten wir diese Nacht miteinander, erst auf der Party, dann bei mir. Und den nächsten Tag. Sie gab mir ihre Nummer, ich rief sie an, länger als einen Tag konnte ich nicht warten, worauf denn auch? Sie kam sofort. Wir aßen zusammen, schauten Filme, sie zeigte mir ihren Lieblingsfilm, einen Tag fuhren wir zum See. Ihr Körper war mein Körper und meiner ihrer. Nicht anderes zählte.
Sie ist schon fertig mit dem Studium, macht irgendetwas, ich weiß es natürlich genau, so wie alles, jedes Wort, das sie mir erzählte, sich eingebrannt hat, aber das tut hier nicht zur Sache. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass es irgendwann einmal aufhören könnte, für mich war klar, so geht es weiter, immer weiter, sie geht nie mehr weg.
Alles andere blieb normal, ich ging weiter zur Uni, wie ein Automat, aber ich schwebte über den Boden. Niemand konnte mir etwas, alles, was ich im Kopf hatte, war sie. Ihr Körper, ihr Gesicht, ihr Geruch, ihr Körper, oh Gott, ihr Körper, Ihre Augen. Ihre Augen. Ich merkte gar nicht, wie glücklich ich war. Nur jetzt merke ich es, erinnere mich an das Gefühl und frage mich, wo es ist. So ein Gefühl kann doch nicht einfach weg sein.
Ich schrieb ihr, ob sie heute nach der Arbeit vorbei kommen möchte, ich würde ein Video holen und vielleicht etwas zu essen machen. Sie antwortete heute nicht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Warum, war jemand gestorben, Stress auf der Arbeit? Warum? Sie antwortete nur, dass es heute nicht ginge. Ich wusste nicht, wohin mit mir, überlegte, bei ihr vorbei zu fahren, zu fragen was los ist, wenn ich sie sehen würde, wäre es doch ganz einfach, aber so, per SMS, das machte mich wütend. Ich ging aus, besoff mich, schaute ungefähr 40x auf mein Telefon, nichts.
Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Fahrrad raus, irgendwohin, strampelte wie ein Kaputter, immer das Telefon griffbereit. ich wurde wütend, verzweifelt, wütend. Abends rief ich sie an. Sie meinte, sie kann jetzt nicht telefonieren. Tagelang rannte ich wie ein Zombie herum, sah nichts mehr, aß nichts mehr, rauchte nur. Dann die SMS. Wir können uns nicht mehr sehen. Sorry.
So einfach, ja? Einfach so? So sollte mir die Schlampe nicht davon kommen. Immerhin hatte sie sich neben mich gestellt. Ich fuhr zu ihr. Sie öffnete nicht. Aber sie schrieb mir wieder. Sie war also da und öffnete nicht. War das die Person, mit der ich Stunden vebracht hatte? Die gleiche Person? Sie ist jetzt wieder mit ihrem Ex zusammen, es tue ihr leid, aber wir werden uns nicht mehr sehen.
Ich muss nicht beschreiben, wie ich mich gefühlt habe, wie lächerlich ich mir vorkam, wie wütend ich war. Das Loch ist immer noch da. Irgendwann geht es zu sagt man. Ich warte, aber nichts passiert.


Coachella Festival Dancing Girls
Rage: Grimes’ Open Letter
Australia: My Inner Varnika
The Nature of California
Hula Hula Reisegruppe is a Berlin based sound scape dj project bringing together varied influences of dance music to celebrate it like the visit of a carnival. They will be dropping a few lines every month about new records for y’all. Enjoy!
Alle Posts auf eigene Gefahr!
Danke. Jetzt weiß ich zumindest, dass nicht nur ich sowas beschissenes erleben musste. Und wie gehts dir jetzt?
schön geschrieben. als würdest du vor mir sitzen und sie live erzählen. sehr true. und so wahr.
wer nicht selbst so eine geschichte erzählen kann hat noch nicht gelebt.
lg Paule
Die Zeit heilt alle Wunden, ist n doofer Spruch ist aber wahr.
Ein anderer toller Spruch den ich mir nach so was anhören durfte war: Auch andere Mütter haben schöne Töchter…..
Der Text war echt gut geschrieben…