Deutsch, nicht schwul – na und?

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Heute Leute wirds was geben, heute wird demonstriert, heute ab 12 Uhr Mittags in der Bleibtreustraße wird in der heimlichen Homo-Haupststadt Berlin gegen Putin und die international umstrittene Gesetzgebung Russlands zum sogenannten Homosexuellen-Gesetz demonstriert. Die Route wird bis vor die russische Botschaft führen und es wird garantiert bunt und laut. Warum eigentlich hier, wo etwas gegen Homosexuelle zu haben ungefähr so daneben ist, wie ins Berghain zu gehen und es dann „zu gay“ zu finden oder sich über Touris am Brandenburger Tor aufzuregen? Nun, die Demo hat mehrere Ziele, zunächst geht es darum, der russischen Regierung ein Zeichen zu setzen, wie ihre Politik hier ankommt, dann muss dringend Solidarität mit den Betroffenen gezeigt werden. Parallel laufen in Russland die Vorbereitungen für die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi, die am 7. Februar 2014 eröffnet werden, bei der aktuellen Lage eigentlich ein Scherz, wenn man bedenkt, dass viele Sportler offen homosexuell sind und nach Russland reisen werden. Wird das Olympische Komittee dies mit geschlossenen Augen durchziehen wie 1936 als auch jüdische Sportler trotz der politischen Lage nach Berlin gereist sind? Ein Schelm wer hier Parallelen ziehen will.

Gegen Putin demonstrieren, warum?

Nachdem schon seit geraumer Zeit von Ausschreitungen gegen Lesben und Schwule auf öffentlichen Veranstaltungen berichtet wurde, hat sich die Situation nicht gebessert, das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur Neonazi-Gruppen haben Homosexuelle als Freiwild auserkoren, zeigen sich offen in Foltervideos und rufen gezielt zur Jagd auf Schwule und Lesben auf. Auch vom Staat wird Homosexuellenhass – und Feindlichkeit geschürt und unterstützt, er beteiligt sich sogar aktiv an Anti-Homosexuellen-Propaganda und schafft damit eine Atmosphäre von Unsicherheit und hochgradiger Gefährdung für alle sich im Land befindlichen Lesben und Schwule.

Das Homosexuellen-Propaganda-Gesetz

Nun besagt ein neues Gesetz, dass so genannte Homosexuellen-Propaganda im Beisein von Kindern verboten ist. Das hört sich erst einmal nicht tragisch an könnte man meinen, Kinder sollen sich halt erst im Erwachsenenalter für ihre Orientierung entscheiden können wäre ein Argument dafür. Das perfide hier ist aber, mit der Totschlag-Keule Kinderschutz zu kommen. Es impliziert, dass russische Kinder geschützt werden müssen vor jeglichem Kontakt mit homosexueller Lebensweise. Diese wird per Gesetz als anstößig und gefährlich für Minderjährige abgestempelt, gleichgesetzt mit pornografischen oder Gewalt-Inhalten.

Das betreffende Gesetz verbietet das Sprechen über Homosexualität im Beisein von Kindern, sofern positiv oder neutral darüber gesprochen wird. Medien, die positiv oder neutral über Homosexualität berichten, können für drei Monate geschlossen werden. Konkret heisst dies, dass Filme, Videos, Bücher und Zeitschriften mit homosexuellen Inhalten verboten sind. Verboten ist auch die Regenbogenfahne – das Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung. Einheimische, die gegen dieses Gesetz verstoßen, erwartet neben einer Geldstrafe auch eine Haftstrafe. Ausländern droht zusätzlich die Ausweisung und ein darauf folgendes Einreiseverbot.

Auswirkungen

Offen schwul oder lesbisch zu sein hat verheerende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Sie verlieren ihre Arbeit, sind Opfer von Gewalt und sogar gezielte Tötungsopfer.

Deutsch und nicht schwul. Was geht mich das an?

Auch wenn du selbst nicht homosexuell bist oder homosexuelle Freunde hast, geht es hier im Wesentlichen um die ungestrafte Abkehr von demokratischen Grundwerten, die nicht hinnehmbar ist. In Deutschland haben wir schon einmal etwas ähnliches erlebt und können stolz darauf sein, hier eine große Sensibilität entwickelt zu haben. Es geht darum, zu zeigen, dass wir das Vorgehen Russlands und die derzeit herrschenden Zustände missbilligen, dass wir die Ausgrenzung und die gezielte Diskriminierung jeglicher Minderheiten als inakzeptabel ansehen. Jeder kann einmal zu einer Minderheit gehören, jeder, auch unsere Kinder. Hier geht es nicht um Party im Berghain, um bunte Paraden oder lustige Transen. Es geht hier um die Entfaltung der Persönlichkeit in ihrer einfachsten Form, um das Sein und damit um uns alle. „Die Russen sind anders, richtig demokratisch werden sie ohnehin niemals, also was solls.“ Und deshalb wegschauen? Abkommen schließen, unsere Sportler hinschicken, Geschäfte machen ohne etwas zu sagen, den Mund zu öffnen? Kann nicht ernsthaft die Lösung sein oder?

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Ab zur Demo!

Demo Route

• Kurfürstendamm
• Tauentzienstraße
• Wittenbergplatz
• Kleiststraße
• Nollendorfplatz
• Bülowstraße
• Potsdamer Straße
• Potsdamer Platz
• Ebertstraße
• Brandenburger Tor
• Ebertstraße
• Dorotheenstraße
• Wilhelmstraße
• Russische Botschaft, Unter den Linden 63-65

Ziele der Demonstranten

„Wir möchten die Aufmerksamkeit der Menschen in Deutschland auf die gravierende Verletzung der Menschenrechte in Russland lenken.

1. Wir fordern unsere Bundesregierung auf, klar Stellung zu beziehen und alles Mögliche zu unternehmen, damit dieses Gesetz wieder abgeschafft wird, da es gegen demokratische Grundwerte verstößt. Zu diesen zählen die Achtung der Menschenrechte, das Diskriminierungsverbot und das Recht der freien Meinungsäußerung. Diese Werte aufzugeben, steht im ärgsten Widerspruch zu den Verpflichtungen, die Russland als Mitglied des Europarates und mit der Ratifizierung der Europäischen Menschenrechtskonvention einging.

2. Wir fordern alle Sponsoren der XXII. Olympischen Winterspiele dazu auf, endlich Stellung zu beziehen und die Macht ihrer finanziellen Stärke dazu zu nutzen, sich klar zu positionieren und sich für die Verteidigung der Menschenrechte in Russland einzusetzen.

3. Wir fordern den Deutschen Olympischen Sportbund sowie alle deutschen Sportler auf, sich aktiv für die Rechte von Homo-, Trans- und Intersexuellen in Russland während der XXII. Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi einzusetzen.

4. Wir fordern das Internationale Olympische Komitee auf, Russland von den XXII. Olympischen Winterspielen 2014 im eigenen Land auszuschließen!

5. Wir fordern ein weltweites Ende der Diskriminierung von Homo-, Trans- und Intersexuellen.

 

STOP HOMOPHOBIA! OPEN YOUR MOUTH!

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