Tagebuch eines Wochenendes

Aufgewacht. Kopf geht. Mund trocken. Beine nicht vorhanden. Magen leer. Lippen wund geleckt. Kiefer tut weh vom Kauen. Mein Ohr piept. Bleibt das jetzt? Gehirn leer. Magen auch. Sagte ich schon. Diffuser Hunger. Erst mal eine rauchen, das wird helfen. Kühlschrank auch leer. Vielleicht Essen bestellen? Krame im Portemonaie, nur 2 Euro und ein leeres Peppentütchen. Damit komme ich nicht weit. Und wieder Berghain. Wie immer am Schluß. Kanns nicht mehr sehen, wills nicht mehr sehen, trotzdem wieder da gewesen. Drei Tage feiern. Ich kaputt. Leben, Uni, Freund? Reden wir nicht drüber. Vielleicht geh ich Mittwoch mal hin, in die Uni. Blicken lassen. Mir ist schlecht jetzt. Was läuft so in der Glotze? Dreck, egal, zu mehr bin ich nicht fähig. Tausend Töne in meinem Kopf, ansonsten nur Leere. Eine gute Leere. Genau darum geht es. Die absolute Leere, alles verschwindet. Gleichförmigkeit. Egalness. Fünf verpasste Anrufe. Der Typ ist nicht dabei. Egalness, wie gesagt.

Blick in den Spiegel, das Grauen. Kajal überall. Muss dringend Abschminke besorgen, die auch das Augen Make Up wegnimmt. Frage mich, wie ich das Abschminken überhaupt noch hinbekommen habe. Naja, Aussehen ist alles. Also vor drei Tagen und dann immer wieder neu drüber, zum Glück bin ich kein Pickel-Typ. Wer war noch mit da am Schluß? Kannte ich die überhaupt? Verschwommene Bilder, manche ganz klar, muss mich nur anstrengen. Freitag verabredet, mit D. Und wer steht eine Stunde an der S-Bahn? Klar, ich. Arschloch, epic hate.

Soll ich zu den Mädchen? Ich kann sie alle nicht leiden, eine dämlicher als die andere. Aber sie haben immer was da und Typen hängen da auch rum und manchmal hat man echt Spaß mit ihnen. Ich also hin. Grosses Geschrei, ich werde überschwenglich empfangen. Die eine drückt mir gleich einen den Strohhalm in die Hand. „Wir haben voll geiles Zeug aus Peru“. Peru, sicher. Ich ziehe, merke nichts, wie Mehl, nicht mal scharf in der Nase. Dann plötzlich Egotrip. Ich mache Musik an, tanze, umarme alle. Dann geh ich kurz kotzen. Uh, das war zu viel. Nochmal, diesmal weniger. S. will Geld, die geizige Schlampe. Ich geb ihr 20. Mehr bekommt sie nicht. Mir doch egal, wieviel sie bezahlt hat. Sie ist leicht fett und megalangweilig. Trotzdem hängen alle bei ihr rum. Ich verstehe es nicht und ich hasse sie. Jetzt zeigen sich die Weiber ihre neuen Sachen. Ich habe auch neue Schuhe. Kann keiner sagen, ich wäre nicht geil.

Jetzt knallt es richtig, ab in die Renate, dann About Blank. Dort nur Schwuchteln, wo ich hinschaue. Ich geh erstmal tanzen. Zwischendurch neue Nase, diesmal etwas anderes. Knallt. Weitertanzen. Wodka. Mir ist schlecht, schon wieder, kotzen mag ich nicht, da ist dann doch ein Typ, den ich schon immer mochte. Hetero. Naja, darf mich vielleicht auf ner Schwulenparty nicht so drüber beschweren. P. heißt er, glotzt, jetzt bringt er einen Shot. Jägermeister. Was soll ich damit? Idiot. Ich trinke natürlich trotzdem mit. Er freut sich. Ob ich was ziehen kommen möchte, auf den Klos. Eigentlich geht nichts mehr, aber geht immer noch was. Drin fängt er gleich zu fummeln an, er wird alles verschütten, der Volldepp, ich ziehe schnell, während er mir schon an die Wäsche geht. Es klopft an der Tür „muss pissen, macht schneller“. Ignoriert, jetzt geht er richtig ran und ich laß ihn. Wenn er jetzt nicht aufhört, brauchen wir wohl einen Gummi. Egal, weitermachen. Soll ich fragen? Draußen klopft es wieder, lauter diesmal, dann dagegentreten. Ich kann so nicht, was soll denn das. Ich zieh die Hose wieder hoch und reiße die Tür auf bevor er sein Teil wieder eingepackt hat. Ohne etwas zu sagen, boxe ich der Ollen aufs Kinn. Schaut sie nur dumm aus der Wäsche. Ihre Freundin beginnt, rumzukeifen, Fotze, Verrückte, Türsteher sind Worte, die ich wahrnehme. Wir verpissen uns, der Typ in die andere Richtung.

Die anderen Weiber wollen nach Hause. Boah nee, allein hampele ich hier nicht rum, der Typ ist off. Ich trappse mit. Bei der fetten S. hängen wir ab, sie ist eigentlich ganz nett. T. poppt mit A. im Bad. Was das nur immer mit den Toiletten soll. Irgendwie ists schon wieder 2 uhr morgens. Sonntags jetzt aber. Wie haben wir das gemacht? Berghain fällt. Alle kotzen ab. Kleinere Party? Hat noch wer was? Andere Leute schneien rein. Zumindest haben sie was mit, was es ist, werde ich an dem Abend nicht mehr herausfinden. Ich mache mich im Bad frisch. S. leiht mir ne neue Unterhose, Shirt und Socken. Ich mag sie. Dann ziehen wir weiter. Der Rest ist weg. Verschüttet im Berghain. Erbärmlich.

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2 Comments

  1. L.H. sagt:

    Sorry, ich habe das nicht beleidigend gemeint, eher liebevoll 😉

  2. Sebastian sagt:

    Und da hat jemand immernoch nicht verstanden, dass „Schwuchel“ kein Schimpfwort ist, sondern einfach nur eine verdammt dämliche, homophobe Beleidigung. Dass das dann auch noch veröffentlicht wird, und zwar hier, ist einfach nur traurig.

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