Mediengruppe Telekommander

Sie loesen sich auf und geben heute Abend ihr letztes Konzert ever in Berlin. Die Mediengruppe Telekommander, die uns mit Mitgröl-Dancefloor-Songs ueber Jahre beglueckten. Wir trafen sie zum Interview in der Ankerklause, die beiden ruhigen, geistvollen und recht attraktiven jungen Herren der Mediengrupppe. Wie die da auf der Buehne laut werden sollen, ist uns allerdings ein Raetsel. Das Konzert im Festsaal Kreuzberg ist ausverkauft, aber das neue Album „Die Elite der Naechstenliebe“ kann man sich noch anhoeren.

Shambo: Also erzählt doch mal, was ist los, mögt Ihr Euch nicht mehr oder seid Ihr einfach zu alt geworden? Was ist der Grund für Eure Auflösung?

MT: Die Art und Weise wie wir die Mediengruppe in der letzten Zeit betrieben haben, hat eigentlich dazu geführt, dass wir keinen Raum für andere Projekte mehr haben. Es gab nur den Zyklus Tour Platte Tour Platte. In den letzten zwei Jahren haben wir den grossen Wunsch entwickelt, neue Sachen zu starten, in eine ganz andere Richtung zu gehen, eher in den Produktionsbereich. Dadurch kam die Entscheidung zur Auflösung zustande.

Zeit für anderes hatten wir schon, aber die Mediengruppe ist ein Full Time Job, und um das Level zu halten muss man auch genau so viel Zeit da rein investieren. Dazu sind wir nicht mehr bereit.

S: Warum dann komplett die Auflösung warum nicht erstmal ein Break für ein-zwei Jahre z. B.?

MT: Vielleicht weil es sich medialer besser macht? Wir sind ja die Mediengruppe, mehr Medienaufmerksamkeit, wenn man sich auflöst. (grinst)

S: Aber eine Finte ist das jetzt nicht, Jungs?

MT: Du meinst Wiedervereinigung nächstes Jahr? So wie die Rolling Stones das immer machen mit ihrer Tour?

S: Ja, klappt ja auch seit Jahren. Habt Ihr schon etwas neues am Start?

MT: Flo arbeitet mit der Künstlerin Jules Hunter zusammen, ich mache Filmmusik für eine Film. Wir haben schon richtig viele Ideen, es geht grds. mehr um Musikproduktion.

S: Ihr seid Euch also Eures kreativen Potentials sicher und wisst, da kommt noch was, keine gähnende Leere, keine Karibik?

MT: Klar!

S: Seid Ihr traurig oder freut Ihr Euch?

MT: Nein, wir freuen uns, das ist ja ein erfreuliches Ende, weil selbstgewählt und das hat auch der Produktion der neuen Platte gut getan, weil wir noch einmal Sachen ausprobiert haben, die wir so vorher nicht gemacht hätten.

S: Was konkret?

MT: Anders mit Gesang gearbeitet, anders mit Dichte, Klangdichte, bisschen poppiger, aber nicht so, dass Du die Medienguppe nicht erkennen würdest. Es sollte auch nicht die Neuerfindung oder der Ausbruch werden. Noch einmal ein Album machen ohne Druck, ohne uns Gedanken zu machen, wo wir hinwollen.

S: Wenn Ihr umreißen müsstet, was in den letzten Jahren passiert ist?

MT: Arbeit, Tour, Arbeit, Tour. Anders würde man vieles machen, aber man muss ja sagen, wir hatten wahnsinnig viel Glück. Der Ausgangspunkt war ja einfach nur auf der Bühne zu stehen. Als wir 98 nach Berlin gekommen sind, hatten wir keine großen Ambitionen als Laptop Act zu agieren. Die Mediengruppe ist aus dem Gedanken entstanden, einfach nur Musik machen zu wollen. Ohne großes Ziel.

Wir haben einfach riesengroßes Glück gehabt, die Umstände waren sehr glücklich für uns. Wir haben die Entwicklung in der Art nie erwartet.

S: Wie alt seid Ihr jetzt?
MT: Beide 37.
S: Habt Ihr Euch  tatsächlich im Zug getroffen?
MT: Nur ein Mythos, den wir aufrecht erhalten wollen. So wie der, dass wir unglaublich reich geworden sind.

S: Was gebt Ihr jungen  Musikern mit auf den Weg?
MT: Positiv: Bleib dran, mach Dein Ding!
MT: Negativ: das  ist schwieriger zu sagen, live Aufmerksamkeit generieren, das Musikgeschäft hat sich sehr verändert, alles läuft nur noch über Live-Auftritte.
Einfach wenig erwarten, viel hoffen. Einfach Erfahrungen machen, durchmachen, mit Plattenfirmen, allem, erleben nicht verdenken, alles zerdenken.

S: Ihr blickt sehr positiv zurück, das merkt man schon.

MT: Auch nach vorn! Es ist einfach ein Traum in Erfüllung gegangen.
S: Eine Botschaft an Eure Fans? Die jetzt zu Haus sitzen und heulen.

MT: Na, ob da jemand heult? Die sollen gefälligst alle zum Konzert kommen!!

S: Was kann man da erwarten?

MT: Eine fulminante Show, best of und viel länger als andere Konzerte, ist klar. Aber die Frage ist ja ein typisches Zeitgeistphänomen, Mediengruppe allein reicht nicht, alles muss größer, besser, schneller sein. Dagegen verwehren wir uns.

S: Ich wollte nur die Leute anfüttern.
MT: Das meine ich, immer muss man etwas anfüttern, die Musik allein reicht nicht mehr.
S: Mach ich mir gar keine Sorgen bei Euch.
S: Erklärt mal etwas zum Albumcover.
MT: Wir machen uns nicht lustig über Nächstenliebe, im Gegenteil. Die Elite der Nächstenliebe im Cover: Angelina Jolie, der Dalai Lahma, der Ratzinger. Dazu muss man sich Gedanken machen. Goodwill-Ambassadors nennt man so etwas, ein Titel, den z.B. Angelina Jolie trägt.
S: Ok, ich bin schon durch jetzt.
MT: Wie, das wars? Na Ihr seid ja ein Blog, da braucht man nicht so viel Inhalte oder?
S: Eben, wir haben wenig Infos, läuft alles über Bilder, einfach rein in den Schädel, leicht verdaulich.
MT: Auch so ein Zeitgeistphänomen.

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