Lederfrei: Vegan Leben

Vegan-Leder-Peta-shambo

Hier schreibt eine Lederfetischistin auf Entzug. Manchmal sieht man mich in einschlägigen Modegeschäften um die hübschen Brieftaschen und stylischen Handtaschen streichen. Verkäuferinnen hassen mich, weil ich viele Schuhe nur betatsche, aber nicht kaufe. Ich liebe Leder seitdem ich denken kann, ich glaube es liegt an der früheren Freundschaft meiner Eltern mit einem Lederfabrikanten. Ein sehr netter und großzügiger Mann, der mir als Kind bei seinen Besuchen immer eine kleine Kinderledertasche mitgebracht hat. Ich mag aber auch ganz einfach Sachen von guter Qualität. Ein guter Lederschuh im Vergleich zu einem Kunstlederschuh, brauch ich nichts weiter zu sagen. Aber der Preis, den ich zahle, den die Tiere zahlen, er ist mir zu hoch geworden. Also bin ich auf Entzug gegangen.

Zwei ganze Jahre hat der Prozess gedauert, mich von Lederprodukten endgültig zu verabschieden. In der Zeit habe ich mir noch zwei paar Stiefel, eine Jacke und zwei Handtaschen zugelegt. Immer mit schlechtem Gewissen. Aber ich habe es geschafft, ich habe dem Leder abgeschworen. Und wenn ich das kann, bekommt das jeder hin. Mittlerweile sieht man mich in Modeläden aber nicht mehr versonnen um die Ledertaschen streichen. Naja, manchmal vielleicht noch.

Vegan essen ist eine Sache. Vegan leben eine ganz andere.

Für viele gehört das zusammen, vegan essen bedeutet auch vegan leben. Aber gerade in Zeiten, wo vegan einfach Trend bedeutet, muss man vielleicht doch unterscheiden. Ich ernähre mich vegetarisch/vegan seitdem ich 14 bin, ich sage vegetarisch/vegan, weil es verschiedene Phasen in meinem Leben gab. Ich finde es nämlich nach wie vor schwierig, mich komplett vegan zu ernähren. Wobei es einem heutzutage wirklich leicht gemacht wird. Vegane Supermarktabteilungen und Restaurants, vor 10 Jahren sah das noch ganz anders aus. Insofern hilft uns eingefleischten Nicht-Fleisch-Essern der Vegan-Trend gerade wirklich weiter. Vegan leben, damit geht man noch einen großen Schritt weiter.

Ich sage es ja immer wieder gern, weil es gerade so ein Trend und vielen nicht bewusst ist, was es genau bedeutet, tierischen Produkten nicht nur für die Dauer einer Diät abzuschwören: Wirklich Vegan sein bedeutet Verzicht. Doch ich habe auch ein Quantum Trost dabei: Wenn man weiß, wofür man verzichtet, fällt der Verzicht irgendwann nicht mehr so schwer. Alles eine Kopfsache.

Meist beginnt es ja mit dem Weglassen von Fleisch und erstreckt sich dann auf eine Umstellung zu komplett veganem Essen. Dann folgt der nächste Schritt. Wer nicht nur Trend-Veganer ist sondern beginnt, sich wirklich damit auseinanderzusetzen, wo die tierischen Produkte herkommen, die wir so einkaufen und konsumieren, wird über kurz oder lang auch bei Leder & Co an seine Grenzen stoßen. Mir jedenfalls ist es so ergangen.

Denn leider bergen so gut wie alle Klamotten, die wir als stylische Menschen so tragen, Tierleid in sich. das ist sehr ärgerlich und kann einen, falls man die nötige Empathie besitzt, wirklich in einen Gewissenskonflikt stürzen. Ich persönlich LIEBE Lederhandtaschen, Lederschuhe, Lederhandschuhe – und Jacken. Will sagen: Ich habe sie geliebt. Aber wer sich einmal bewusst macht, wieviel Leid hinter einer Lederhandtasche – oder Jacke steckt, (und hier empfehle ich die oft drastischen, aber trotzdem sehr realitätsnahen Videos von Peta  oder den Film Earthlings von Joaquin Phoenix) der kann dem Produkt Leder eigentlich nicht mehr gleichgültig gegenüber stehen. Man fühlt sich dann einfach nicht mehr wohl beim Kauf. Mir jedenfalls ging es so. Ich konnte die Bilder nicht mehr verdrängen und habe einen regelrechten Haß auf meine neue Handtasche bekommen.

Ein echter Veganer trägt kein Leder

Peta-Leder-Vegan-Leben-shambo

Ich werde nicht müde, es zu betonen, weil ich jahrelang selbst daran geglaubt habe: Leder ist kein Abfallprodukt der Fleischindustrie im Sinne von „Das Tier wurde eh geschlachtet, da kann man doch die Haut gleich mitverwenden.“ Das ist falsch. Die Tiere, deren Haut wir tragen werden auch genau deshalb geschlachtet, gern auch lebendig gehäutet. Macht euch bitte nichts vor. Eine freundliche Lederindustrie, sie existiert nicht.

Fazit: Ich kaufe mittlerweile kein Leder mehr, auch wenn es mir z.B. beim Schuhkauf wirklich schwer fällt. Meine alten Lederutensilien trage ich aber noch runter. Ganz ehrlich, der Fake-Wildlederrock oder die vegane Handtasche sehen fast genausogut aus wie echtes Leder. Ja und wenn nicht,  dann geht die Welt auch nicht unter. Und ich fühle mich besser, der Tropfen auf den heißen Stein, für mich zählt er. Was ich damit sagen will: Wenn ich es geschafft habe, schafft ihr das auch. Leder ist schön, aber der Preis ist einfach zu hoch. Vegan leben ist schwer, aber es kann auch glücklich machen, wenn man es einmal geschafft hat.

Ich finde übrigens Petas Asias neues Video ziemlich gut, s.u. In einem Leder Pop-Up Store wird den Kunden recht drastisch bewusst gemacht, was hinter einem jeden Lederprodukt eigentlich steckt. Vorsicht, es ist etwas eklig. Aber so ist sie ja auch, die Lederindustrie.

Peta Asia  – The Leather Works

Hilft doch ein bißchen vor dem nächsten Handtaschenkauf..

Alle Fotos @Peta

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