Weltfrauentag 2016

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Am Weltfrauentag blicke ich immer ein Jahr zurück und schaue, was sich hinsichtlich Frauenrechten so getan hat in der Welt. Leider kann ich seit 2 Jahren nichts Gutes mehr feststellen, vor allem das letzte Jahr bescherte uns in meinen Augen den derzeitigen Höhepunkt der Rückentwicklung.

Dass in den arabischen Ländern von den Minirock tragenden Frauen der 60er bis 80er absolut nichts mehr übrig ist, das ist eine Sache. Am meisten bergauf scheint es im Morgenland noch im Iran zu gehen. Das wundert nicht, denn noch mehr rückwärts ging ja irgendwann nicht mehr. Aber man braucht nicht immer in den Teil der Welt schauen, in dem Frauenrechte unter dem Deckmantel der Religion beschnitten werden. Wir hier bei uns müssten uns eigentlich alle in die Ecke stellen und uns einmal ganz doll schämen.

Gehältergleichheit? Pustekuchen

Immerhin wurde nun bestätigt, was ich niemals wahrhaben wollte: Frauen in Deutschland verdienen im Schnitt 25% weniger als Männer in den gleichen Positionen…..! Wo wir doch alle so gleichberechtigt sind und hämisch über die ollen Feministinnen der 70er und 80er lachen. Wie die aussahen. Sorry, aber die fehlende Gehältergleichstellung ist ein echtes Armutszeugnis für unser Land. Angeblich liegt das daran, dass Frauen weniger fordern als Männer. Jetzt frage ich mich, würde eine Frau soviel fordern wie ein Mann, bekäme sie den Job trotzdem noch? Wo wir schon beim nächsten Problem sind.

Mal ganz ehrlich: Welcher Personaler entscheidet sich für eine Frau bei gleicher Eignung wenn diese, sagen wir mal, zwischen 28 und 40 jahre alt ist? Das Risiko, dass da in den nächsten Jahren ein Kind geboren wird und die Frau eine längere Zeit ausfällt, wollen nur wenige Firmen übernehmen und wenn, dann nur die ganz Großen. Noch immer. Andersherum werden Frauen, die keine Kinder möchten, immer noch schief betrachtet. Es lässt sich aber nun einmal schwer Karriere machen, wenn man wegen der Kinder ein paar Jahre ausfällt.

Job und Kind

Ein Beispiel aus dem Bekanntenkreis zeigt nur einen der Stolpersteine auf: Die Frau verdiente einfach mal so viel mehr als er, dass es völlig klar war, dass der Vater die Haushaltsrolle übernehmen würde sobald ein Kind da wäre. Nun, er hat es genau 4 Monate ausgehalten. Dann konnte er die Blicke und Bemerkungen im Bekanntenkreis, im ehemaligen Kollegenkreis und von Fremden auf der Straße nicht mehr ertragen. Ein den Haushalt führender Vater bei Vollzeittätigkeit der Mama, ich dachte eigentlich immer, dass sei heute kein Problem mehr. Nun, weit gefehlt. Er lebt wohlgemerkt in Berlin Mitte, nicht in Hintertupfingen. Jetzt bleibt sie zu Haus und beide sind unglücklich. Weil sie eingeknickt sind vor dem, was die Gesellschaft von ihnen erwartet.

Angrabscher

Natürlich gibt es zum Thema Frauenrechte 2015 noch viele Beispiele. Aus dem Alltag, dem Freundeskreis, der Politik. Auf die Sylvesternacht wollte ich in diesem Rahmen gar nicht zu sprechen kommen, ein emotionsbeladenes Thema. Aber wenn zum Beispiel ernsthaft verlangt wird, dass Frauen sich unauffälliger (was heißt das, züchtiger?) kleiden sollen, damit es nicht zu Übergriffen wie in der Sylvesternacht kommt, ja, klar, das fehlte uns noch. Wir gehen alle nur noch hochgeschlossen in den Club. Ich sage, Mädels, lernt ordentlich Eier treten. Wir haben lange gebraucht, um dahin zu kommen, wo wir sind. Die Röcke bleiben wie sie sind.

Die neuen Deutschen

Mein persönliches I-Tupferl: Die AFD. Eigentlich freue ich mich immer, über Frauen in Führungspositionen. Leider wird mir das momentan gehörig vergällt. Beim Anblick der fanatischen Petry und der bösartigen Von Storch, ihres Zeichens leitende AfDlerinnen, kommt mir nur das Frösteln, nicht der Stolz. Ich bekommen da auch keinen schwesterlichen Gefühle. Nur Würgereiz. Leitende Frauen sind eben nicht immer Vorbilder. Die AfD und Frauenrechte: Keine liberale Sexualaufklärung in der Schule, Gleichstellungsbeauftragte abschaffen, kein Feminismus, weil der Mann doch der „Fels in der Brandung“ ist, und Muttersein ein „toller Beruf.“ Bäm, Abend – oder Morgenland? frage ich.

Die Rückwärts-Aufzählung könnte noch ewig dauern, Beispiele gibt es viele. Aber vielleicht warte ich einfach noch ein Jahr und resümiere dann nochmal. Auf dass es bergauf geht, Schwestern.

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